Rock & Bloc-Team

DAV

der DAV-Sektion Rosenheim

Startseite

Mädelsexpedition nach Albanien 2011

Oder: Timing ist alles!

Beginn des Abenteuers war der 23. Juli. Morgens beim Frühstück in Augsburg bei unseren Teamern Ferdl und Ingrid war noch alles ganz entspannt… Aber, dass das Ganze auch gleich von Anfang an den Flair einer Expedition bekam, schafften wir schon die Anreise etwas nervenaufreibend zu gestalten: nach 130 km Stau in Italien wurd’s mit der Fähre in unser eigentliches Zielland Albanien nämlich richtig knapp. Aber, wie war das mit dem Timing? 10 Minuten vor Abfahrt (und eine halbe Stunde nach Check-in-Schluss ;-)….) standen wir glücklich an der Reling und schauten vier genialen Wochen entgegen…. In Albanien angekommen, auf der Fahrt von der Hauptstadt Tirana zum Klettergebiet Bovilla wurde dann unseren beiden Bussen gleich mal alles abverlangt. Ganz bis zu unserem eigentlichen Ziel kamen wir trotzdem nicht.

Auf zum Klettern in Bovilla

Auf zum Klettern in Bovilla

So verlegten wir unser Basislager gezwungenermaßen etwas nach unten – dafür direkt ans Seeufer. Dieser Platz kostete uns zwar eine Flasche Raki an die „Seewachmänner“, verkürzte dafür den Zustieg zu den Felsen um bestimmt fünf Minuten. Ja, und Felsen gab es hier wirklich in Hülle und Fülle – Potential für das Vorstiegsbohrtraining der kommenden Woche würde uns wohl nicht ausgehen! Den ersten Tag nutzten wir aber erst mal rein zum Sportklettern und Eingewöhnen, wobei Vroni und ich uns die beiden ersten Durchstiege der Tour „Jack Sparrow“ (9-) holen konnten.

Lena klettert "Jack Sparrow" (9-)

Lena klettert "Jack Sparrow" (9-)
 

Wir beide, zusammen mit unserer Teamerin Elli waren dann auch gleich die ersten, die sich am nächsten Tag ans Einbohren machen durften. Für mich das erste Mal im Vorstieg. War aber alles halb so wild: einen Sturz (wobei ich immerhin die Bohrmaschine noch fangen konnte!) und einen ergiebigen Regenschauer später war meine Tour mit dem schönen Namen „Hula Hula“ (geht auf die Erstbegehung im Hawaii-Bikini zurück) vollendet. An den folgenden Tagen waren die anderen Mädels wie erwartet genauso erfolgreich, wobei sie zum Teil wilde Abseilaktionen durch’s Gebüsch zum Einstieg und nicht mehr ganz angenehme Temperaturen von knappen 40° zu überwinden hatten. Auch unser kosovarischer Gast Rona durfte das mit dem Einbohren (zusammen mit Caro) mal ausprobieren und sich die Erstbegehung anschließend selbst zum Geburtstag schenken.

Routenbohren im Bikini in Bovilla

Routenbohren im Bikini in Bovilla

Schlussendlich waren wir also gut gerüstet für unser eigentliches Ziel: den Arapi im Norden Albaniens, in den albanischen Alpen. Auch essenstechnisch waren wir bestens aufgestellt, nach einem echten Einkaufsmarathon, der einen gut 2,50m-langen Kassenzettel hervorbrachte. Mit dem gehen wir sicher noch ins Guinnessbuch der Rekorde ein!

Großeinkauf vor der Fahrt zum Arapi

Großeinkauf vor der Fahrt zum Arapi

Wiederrum aber gestaltete sich die Anfahrt als größte Herausforderung: bevor die holprige Pass-„Straße“ anfing luden wir einen Großteil unseres Gepäcks auf einen Truck um, den uns der albanische Kletterer Gerhard organisiert hatte, um so unseren Tiefgang etwas zu reduzieren. Das reichte aber wohl immer noch nicht… denn unser armer DAV-Bus (von uns Charlie getauft) musste einige g’scheide Aufsetzer über sich ergehen lassen. Bis wir dann schließlich doch in einer Sackgasse standen. Die Straße war im Frühjahr von einem Hochwasser weggeschwemmt worden und die Erneuerungsarbeiten waren so weit gediehen, dass immerhin schon einmal mehrere mannshohe Sandhäufen auf dem Weg platziert waren (die waren da übrigens immer noch, als wir wieder heimgefahren sind ;-)…). Aber für uns hieß es also wiedermal: Endstation! Und wieder verlegten wir das Basislager um ein Stück nach unten (nachdem uns der Truck erst aus dem extrem treibenden Kies schleppen musste und wir erfolgreich gewendet hatten… eine mehrstündige Aktion!). Als wir an dem Abend schließlich fix und fertig in die Betten bzw. Zelte fielen war es halb zwei… Aber für den kommenden Tag war eh nicht viel geplant: Basislager aufbauen und ein bisschen den Ort Thethi besichtigen (mit persönlicher Führung durch die Albaner Gerhard und Redi) stand auf dem Programm, wobei wir einiges Verwirrendes aber zum Teil auch Erschreckendes über das ehemalige Gesetz Albaniens, den sogenannten Kanun und die dazugehörende Blutrache erfahren durften.

Albanisches Verkehrsmittel...

Albanisches Verkehrsmittel...

Die folgenden zwei Tage galten wieder der Vorbereitung: wir kletterten die ersten Seillängen der schon bestehenden Tour „Raki am Arapi“ (wurde letzten Sommer von der Geoquest-Expedition http://www.geoquest-verlag.de/?q=node/186 eingerichtet) und wurden dabei nass, schleppten Material zu unserem Depot am Wandfuß (immerhin ‘ne Stunde weg von unsrem Camp) und überlegten uns eine Linie, wo unsere Route durch die 800m-Südwand führen könnte. Ganz klares Ziel war dabei das Erreichen einer etwa 2SL langen Verschneidung, unseres „Great White Book“, die schon von unten und durch das Teleskop genial aussah.

Erste Erkundungen und Materialtransport zur Wand (im Hintergrund)

Erste Erkundungen und Materialtransport zur Wand (im Hintergrund)

Ja, und dann wurd’s Ernst: Tag für Tag starteten wir in Zweierteams zum Bohren in die Wand und ein weiteres Zweierteam kümmerte sich um das Anbringen der Fixseile (bis einschließlich zur 10 ½.Länge) und Hinterherziehen eines Haulbags mit Bohrhaken, Statikseil und Wasser. Währenddessen blieben immer mindestens zwei im Lager (davon ein Paar unfreiwillig da krank…), beobachteten durch’s Teleskop, blieben über Funk erreichbar und kümmerten sich außerdem um diverse „Basecamp-Pimp-Aktionen“ wie Klo schaufeln, oder Tisch, Kühlschrank und Dusche bauen. Außerdem nahmen wir Kontakt zu den Dorfbewohnern auf, wanderten zum Wasserfall „Blue Eye“, spannten die Slackline auf und trafen uns mit der deutschen Botschafterin in Albanien…

Unser Basislager

Unser Basislager

Mein erster Bohrtag endete leider schon ziemlich bald… nach einer halben Länge (Fertigstellen der 4. SL) wurden wir ziemlich heftig wieder aus der Wand geschwemmt. Gott sei Dank durften wir uns im Camp von bulgarischen Höhlenforschern (die auch versuchen zum Gipfel des Arapi zu kommen – allerdings innerhalb des Berges...) bei Tee und Keksen wieder aufwärmen und den schlimmsten Teil des Gewitters überdauern. An meinem zweiten Bohrtag vergaßen wir den Bohrer im Haulbag zwei Längen unter uns. Was dann eine längerwierige Aktion zur Bohrerorganisation nach sich zog und somit auch nicht mehr viel Zeit für unsere eigentliche Aufgabe ließ. Immerhin richtete ich dann noch die 8. Länge ein – die einzige in der Wand bei der man nach unten klettern muss - und meine Partnerin Kathi fing die Neunte an. Wenigstens das „Fixseilen“ und Haulen am nächsten Tag, zusammen mit dem Albaner Redi, der fast die ganzen drei Wochen bei uns blieb, lief quasi reibungslos ab. Aber wie’s der Zufall so will, gestaltete sich auch mein dritter Bohrtag als interessant … wir waren in „unserer“ Verschneidung angekommen. Ich setzte die ersten drei Haken (zum selbst Absichern hätte man wohl einen 10er-Camalot gebraucht ;)…) und das war’s dann erst mal. Die folgenden ließen sich nämlich nur noch ca. ein Drittel weit in die Wand schlagen und das obwohl ich wie verrückt drauf rumhämmerte. Zur Krönung durfte ich mich dann an einem Stand aus zwei solchen „Todeshaken“ abseilen, aber immerhin waren wir wieder zwei Längen weiter und mittlerweile dem Ende zum Greifen nahe!

Wasserfälle über die Route während eines Gewitters

Wasserfälle über die Route während eines Gewitters

Vollendet wurde die Tour dann am kommenden Tag von Caro und Kathi, während sie von unten über Funk in die richtige Richtung dirigiert wurden. Und Ruth und ich einen Sprint zum Gipfel hinlegten um den beiden ihre Schuhe zum runter Laufen zu bringen. Die Freude über die Fertigstellung war natürlich groß – es hieß nur, zwei Freiwillige zu finden, die nochmal auf den Arapi liefen, um sich dann alle zwanzig Seillängen abzuseilen und kleine Verbesserungs- und Sanierungsarbeiten vorzunehmen. Bei einem solchen Spaß war ich natürlich gleich dabei ;-). Wer hat schon mal die Gelegenheit, sich eine 800m-Wand abzuseilen? So holten sich also Kathi und ich die erste „Upside-down-Begehung“ unserer Tour, begradigten eine Länge, setzten noch ein Paar Haken und versuchten meine missglückten Haken in der Verschneidung so gut wie möglich umzubiegen. Beendet wurde das Ganze mal wieder durch heftige Regenschauer…

Lena beim Setzen eines Hakens

Lena beim Setzen eines Hakens

Aber am darauffolgenden Tag war das Wetter wieder super und Caro in der Dreierseilschaft mit Diana und Redi konnten sich unseren ersten Teamrotpunkt sichern. Der zweite folgte dann am zweiten Durchstiegstag von Vroni zusammen mit unserer Teamerin Elli. Ich war zu dritt mit Steffi und Kathi unterwegs. Schon in der zehnten Länge erreichte uns dann der aufmunternde Funkspruch vom Basecamp: „Geht mal davon aus, dass ihr nass werdet…“. Aber außer „Flucht nach oben“ blieb uns eh nichts anderes übrig, wenn wir auch noch einen Durchstieg unserer Route wollten. Wir kamen immerhin noch bis zur 13. (Unglücks-) Länge, als das Gewitter losging. Zusammen mit Kathi hatte ich es also als Einzigste geschafft an allen drei Regentagen in der Wand zu hängen… klasse ;-)! Aber das Top konnte uns trotzdem keiner mehr nehmen. Nach einer Stunde Pause und einem abschließenden Sprint durch die letzten Längen, weil es schon wieder zu Donnern anfing, waren wir oben – ein geiles Gefühl!

In der 9. Seillänge während des Rotpunkt-Durchstiegs - noch vor dem Gewitter

In der 9. Seillänge während des Rotpunkt-Durchstiegs - noch vor dem Gewitter

Der nächste Tag dann war mein Geburtstag und zur Feier des Tages verbrachten wir ihn mir Material schleppen vom Depot zum Basislager... Nachdem zwei Teams die Fixseile und den Haulbag wieder aus der Tour geholt hatten. Den Abend verbrachten wir in fröhlicher Runde zusammen mit den Bulgaren (und ihrer Zweiliterflasche Raki ;-) )…. Ja, und dann hieß es Packen… mit der Tour hätten wir echt keinen Tag länger brauchen dürfen. Aber Timing ist eben alles! Darum schafften wir es auch bei der Rückfahrt nach abschließendem Bad im Meer wieder knapp auf die Fähre zu kommen. Nur diesmal konnte das wirklich niemanden mehr stressen… Anstrengend wurde nur mal wieder die Fahrt: nach 200km gab unser allseits so geliebter Bus Charlie den Geist auf… Wir wurden abgeschleppt und bekamen nach nur fünf Stunden Warten einen Leihwagen. Die Mechaniker schauten sich den Bus nicht mal an – aber schließlich war ja auch Samstag… Am Sonntag, 21. August waren dann wir wieder zurück aus der Wildnis – glücklich und zufrieden, aber auch ein bisschen traurig… Ein riesiges Dankeschön gilt an dieser Stelle natürlich besonders unserem Sponsor aus der Region, der Kletterhalle Rosenheim (250 Bohrhaken!), sowie craft-sports, Montagne Sport Rosenheim, Optik Steinmetzer und natürlich der DAV-Sektion Rosenheim für die persönliche Unterstützung!

Vielen, vielen Dank!

Bericht: Lena Kärcher - Fotos: Mädelsexpedition zum Arapi 2011

Gruppenbild vor zum Abschied

Gruppenbild vor zum Abschied

Noch ein Paar Facts zu unserer Tour:

Name: TSCHACKALACKA

Schwierigkeit: 8- bzw. 6c+

Anzahl Seillängen: 20

Klettermeter: 925m

Anzahl Bohrhaken: 111 Alle Stände sind gebohrt und mit Seilstücken verbunden, benötigt wird ein Cam-Set 0.3 bis 3.

Die Route wurde von unten eingebohrt und erstbegangen von Caro North, Ruth Stephan, Steffi Meier, Mariella Kast, Veronika Hofmann, Katharina Janosovits, Diana Taubert und Lena Kärcher.

Weitere Infos, Berichte und jede Menge Fotos gibt’s auf unserer Homepage www.maedelszumarapi.de
und unserer Facebookseite https://www.facebook.com/MaedelsZumArapi.

==> zurück zur Übersicht