Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Skitouren im Ahrntal 17.02.-21.02.2008

Tourenbegleiter: Christian Maas

Bilder: Michael, Ingrid
Text: Ingrid

Teilnehmer: Conny, Wolfgang, Martin (Rappi), Herbert, Michael, Ingrid

Das Leben ist schön

Christian startet die Tour wie gewohnt. Also: Anderes Ziel und anderer Abfahrtstag als im Programm angekündigt. Dass nicht alle ursprünglich angemeldeten Teilnehmer dabei sind, dafür einige Kurzentschlossene, überrascht niemanden wirklich. Nachdem der Winter 2007/2008 bereits der zweite schneearme in Folge ist, kann die Durchquerung der Niederen Tauern wieder nicht in Angriff genommen werden. Auf der Suche nach Schnee war Christian ein paar Tage vor unserer Tour im Ahrntal fündig geworden und so brechen wir nach Südtirol auf.

Sonntag, 17. Februar 2008

Wir starten um 06.30 h am P+R Parkplatz in Rosenheim. Da wir eine feste Unterkunft haben, reisen wir mit eher üppigem Gepäck, welches aber problemlos in die Boliden von Rappi und Michael, die dankenswerter Weise das Fahren übernehmen, passt. Im Obernbergtal unterbrechen wir die Fahrt, um zur ersten Skitour auf den Hohen Lorenzen (2315 m) aufzubrechen.

Nach einem Anstieg von 965 m, einer Gipfelrast und anschließenden Querung fahren wir über das Grubenjoch ab. Beim Abfellen stürmt es gewaltig, aber bald kommen wir in windärmere Gebiete und genießen die Abfahrt und die anschließende Einkehr. Gut gestärkt treten wir den zweiten Teil der Reise nach Kasern an. Die Fahrt ist abwechslungsreich, wir sehen Autobahnen und Burgen, Einkaufzentren und verlassene Gasthäuser, Obstplantagen und kleine Kirchlein.

Unser Quartier für die nächsten vier Tage und Nächte, der Berggasthof Stern in Kasern, entpuppt sich als sehr gute Wahl. Es ist alles vorhanden, was unser Herz begehrt: Skikeller, gemütliche Zimmer, Sonnenterasse, fantastische südtiroler Küche und als Bestes der charmante Igor und seine herzliche Mama.

Montag, 18. Februar 2008

Gefrühstückt wird um 08.00 h, Aufbruch ist um 09.00 h. Naja, fast. Wegen einer kleineren technischen Panne wird es ein bisschen später. Wie als Entschädigung für das Warten ziehen malerisch zwei Bergbauern mit Holzschlitten an uns vorbei. Aufgeladen haben sie Heu für ihr Vieh. Es geht bergauf, da müssen sie sich ganz schön ins Zeug legen. Eigentlich machen sie das Gleiche wie wir, nämlich eine Last den Berg rauf schaffen, nur hat ihr Tun einen Sinn, während (Ski)-Bergsteigen sich selbst genügt.

Unser heutiges Ziel ist der Kleine Löffler (3045 m). Der Weg dorthin hat es in sich. Stellenweise ist keine Spur vorhanden. Dann sind extrem steile Passagen und lange Querungen zu überwinden, die wir aus Sicherheitsgründen mit großen Abständen begehen. Etwa 80 Höhenmeter unter dem Gipfel rasten wir. Da es schon spät ist und der Gipfelanstieg schwierig, wird dies unser Umkehrpunkt. Einschließlich eines kleinen Gegenanstiegs bei der Abfahrt überwinden wir insgesamt 1445 m.

Dienstag, 19. Februar 2008

Das Ziel für heute, den Schüttalkopf (2774 m), hat Conny ausgesucht. Erst geht es fast flach an der Ahrn entlang nach Trinkstein. Dann zweigen wir nach links ab und steigen auf zur Oberen Tauernalm. Bald schon sind wir in der Sonne und bleiben es für den Rest der Tour. Die Finanzwache lassen wir rechts oberhalb liegen und steigen weiter zum Krimmler Tauern, das ist eine mit Kreuz geschmückte Scharte. Heute ist der einzige Tag, an dem wir anderen Tourengehern direkt begegnen (was einige der Gruppe sofort als sportliche Herausforderung sehen und das Tempo deutlich verschärfen).

Der Gipfelaufbau des Schüttalkopfes ist zwar gut mit Skiern zu machen, aber ein bisschen ausgesetzt und hart, weshalb die Harscheisen zum Einsatz kommen. Am Gipfel machen wir Brotzeit und lassen uns von Herbert und Michael die umliegenden Berge erklären. Bewundernswert, wie viele der „Zapfen“, „Buckel“ und „Spitzen“ die beiden beim Namen kennen und zumeist auch schon bestiegen haben; dass man sogar vom Großglockner ein kleines Stückerl sieht, erfahren wir allerdings erst am Abend von Igor.

Da der Wind am Gipfel ziemlich kalt ist, fahren wir bald zur Oberen Tauernalm, die wir später in Brillenalm umtaufen, ab. Die Bank vor der Alm ist lang genug für uns alle und bietet eine tolle Aussicht. Hier halten wir uns lange auf, genießen die Sonne und das was wir noch an Ess- und Trinkbarem im Rucksack haben. Von den 1195 Höhenmetern, die wir heute bisher überwunden haben, sind einige der Gruppe anscheinend nicht ausgelastet. Die überschüssigen Kräfte entladen sich in einer wilden Schneeballschlacht bei der im Eifer des Gefechts auch ein paar unbeteiligt herumliegende Ausrüstungs- und Kleidungsstücke bombadiert werden.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Heute geht es zum Sattelspitz (2853 m). Erst führt unser Weg steil durch Wald, dann geht es ohne Wald steil weiter. Nach einem Anstieg von 1155 m erreichen wir etwa 30 Höhenmeter unter dem Gipfel einen herrlich sonnigen Fleck.

Dass diesen Fleck vor uns auch schon viele andere als ideal zum Verweilen auserkoren haben, erkennen wir an den zahlreichen „Hinterlassenschaften“. Wir sehen großzügig über die Verschmutzungen hinweg und lassen uns in der Hoffnung auf eine Firnabfahrt für eine lange Pause nieder. Anstatt Firn gibt es dann abwechselnd windgepressten Schnee, Bruchharsch und Sulz. Den Abschluss der Abfahrt bildet eine ziemlich steile Waldschneise und dann stehen wir wieder vor der Heilig-Geist-Kirche und der Talschlusshütte, wo wir, wie gestern auch schon, einkehren. Direkt an der Talschlusshütte führt eine Langlaufloipe vorbei. Die Gelegenheit, die zahlreichen Spaziergänger, Langläufer und Schneeschuhgeher zu beobachten und kommentieren müssen wir einfach ein zweites Mal nutzen. Was ist schon schöner als Lästern! Und nebenbei ist die Bedienung hübsch anzusehen (was besonders die Männer in der Gruppe freut) und die Speisen- und Getränkekarte bietet zahlreiche Verlockungen.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Als Abschlusstour wollen wir zur Lenkjöchlhütte (2589 m). Beim ersten Teil des Anstiegs stoßen wir auf Stolleneingänge und verfallene Bauwerke aus der Zeit, als hier Kupfererz abgebaut wurde. Den Infotafeln entnehmen wir, dass das von 1470 bis 1892 stattfand. Der Weg schlängelt sich durch bizzare Felsen, auf denen wir des öfteren Gamswild ausmachen können. Oder werden etwa am Ende wir von den Tieren beobachtet?


Nach 1015 Höhenmetern sind wir an der Hütte, die auch schon bessere Tage gesehen hat. Dann das übliche, also Abfellen, Brotzeit machen und fotografieren. Abgefahren wird über das Windtal; die Schneequalität bringt keinen zum Juchtzen und wegen der vielen Schrägfahrten kommt sich Herbert vor wie ein „Wiener Bahndammhuhn“. Zurück in Kasern genießen wir ein letztes Mal von Igor servierte Schmankerl im Berggasthaus Stern. Unsere beiden Fahrer bringen die Truppe anschließend sicher wieder zurück nach Rosenheim.

Zum Schluss:

Dass die Touren letztlich wie vorgesehen durchgeführt werden konnten, ist nicht selbstverständlich. Man hätte die fünf Tage auch sehr treffend mit „Pannen, Pech und Pleiten“ überschreiben können. Um nicht indiskret zu sein, soll hier nur eine nicht abschließende Aufzählung der mehr oder weniger verhängnisvollen Begebenheiten ohne Personenzuordnung erfolgen. Als da wären:

Felle, die nach 20 Minuten von den Skiern fallen und nur mit Sprühkleber, Klebeband und Tape sowie einem reichlichen Tubenkleberauftrich am Abend für die restlichen Tourentage fit gemacht werden können

  • Ein VS-Geräte, das keinen Pieps mehr macht, weil die Batterien K.O. und die Kontakte korridiert sind
  • Widerspenstige Sonnencreme, die mittels gezieltem Fußtritt drei Skihosen (mit den Eigentümern drin) ein neues Design verpasst
  • Skier, Tomaten und Fellsackerl, die ungewollt und unkontrolliert über den Berg verteilt werden
  • Fotoapparate, die nicht funktionieren (diese blöden Dinger), bloß weil kein Akku drin ist
  • Eine sehr teure, sehr wichtige Brille, die beim offenen Rucksackdeckelfach raushüpft und auf Nimmerwiedersehen verschwindet
  • Last but not least: Ein Tourengeher, der beim Abmarsch seinen Rucksack gleich komplett stehen lässt (stört bloß, das schwere Teil)

Trotzdem waren wir uns einig, dass die fünf Tage mal wieder der Beweis waren, dass das Leben so schön sein könnte, wenn man nur mehr Zeit dafür hätte… Im Namen der Teilnehmer ein herzliches Dankeschön an Christian verbunden mit dem Wunsch, dass Du noch oft mit Chaostruppen was unternimmst.