Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Wander- und Kulturreise nach Andalusien
18.4. - 2.5. 2004

 

Organisator und Reiseleiter: Kurt Möller

Alle vorgesehenen Wanderungen und Besichtigungen konnten - teils bei ungewöhnlich kaltem Wetter - durchgeführt werden; insbesondere auch die Besteigung des 3483 m hohen Mulhacen.

Teilnehmer: Clemens+Jutta Auer, Helga Bachleitner, Ulrike Brodschelm, Gudrun Dietz, Ingrid Dirrigl, Martha Döhring, Marianne Ehle, Annemarie Färber, Heinz+Christl Heidenreich, Gabi Heinz, Regine Huber, Hermann Kammerlander, Michael+Irmhild Keller, Ernst+Fini Kögler, Günter+Marlies Kogel, Harro+Olga Kranzbühler, Kurt Möller, Otto+Harlindis Niklaus, Carmen Reichl, Gerhardt Rogler, Maria Schwaiger, Margit Sondershaus, Hans-Ulrich Stark, Gerd Wachs, Sebastian Wierl.
Text: Fast alle
Satz: Maria Schwaiger
Bilder: Günter Kogel, Otto Niklaus


Sonntag, 18.04. : Anreise
Treffpunkt: 7.15 Uhr im Bahnhof Rosenheim. Alle sind pünktlich da, nur Olga, Harro und Gabi sind nicht zu sehen. Kurt sucht sie vergeblich, bis wir schließlich zum Bahnsteig gehen. Dort treffen wir die drei Vermißten, die schon seit 7.00 Uhr am Bahnsteig warten. Helga und Hase kommen mit dem Zug aus Richtung Endorf. Die Gruppe ist komplett. Bei leichtem Nieselregen kommen wir pünktlich am Flughafen München an. Die Boing 737-800 der Air Berlin kommt mit Verspätung aus Malaga an, so daß sich unser Abflug um etwa eine halbe Stunde verzögert. Der Kapitän fliegt uns sicher über den Wolken Richtung Malaga, entlang der Schweizer Berge mit Blick auf Eiger-Nordwand und Matterhorn. Später versperrt uns eine dichte Wolkendecke die Sicht auf die Pyrenäen. Der Anflug auf Malaga versetzt einige in Schrecken, da das Flugzeug imTiefflug einen weiten Bogen über dem Meer fliegt, bevor es endlich sicher auf der Landebahn aufsetzt. Geduldig warten wir auf unser Gepäck, suchen dann den Bus La Taha, der uns auf kurvenreicher Bergstraße in die Sierra Nevada nach Bubión bringt. Unterwegs machen wir einen Stop in Nerja, einem Ferienort an der Costa del Sol, und wandern zum Mirador Balcon de Europa mit einem Denkmal von Kolumbus. In Bubión angekommen suchen wir unsere Bungalows im schönen Hotel Villa Turística und genießen unser erstes Abendessen in Andalusien.
(Gudrun Dietz und Heinz Heidenreich)

Wandersitz Bubion von Capileira aus


Montag, 19.04. : Wanderung von Bubión durch die Schlucht des Rio Poqueira nach Capileira
Erster Urlaubstag im Hotel Villa Turística in Bubión. Das Frühstücksbüfett ist für 8.00 Uhr angerichtet. Um 7.55 Uhr stehen sich gegenüber: 32 AV'ler und ebenso viele Studiosus-Leute. Die Schlacht ums Büfett ist eröffnet - deutsche Ellenbogen-Gesellschaft. Das Büfett ist sehr reichlich, der Kampf endet unentschieden. Alle werden satt.
Abmarsch um 9.00 Uhr bei nebulösem Wetter. Mütze und Handschuhe sind angesagt. Von Bubión geht es etwa eine halbe Stunde bergab nach Pampaneira. Das ist ein hübscher Ort mit idyllischen Gäßchen, die Häuser blumengeschmückt und die Sonne läßt sich blicken. Wir gehen ins kleine Museum und sehen, wie primitiv und doch so praktisch die Leute früher lebten, wohnten und arbeiteten. Nächster Anlaufpunkt für Genießer die Bodega Chamoneira: leckerer Schinken und Käse und dazu einen Sherry!
Um die "Enthaltsamen" einzuholen, eilen wir weiter den Berg hinab, überqueren den Rio Guadalfeo und eilen auf schmalem Pfad nach. Die Vegetation ist noch etwas spärlich. Nach einer Stunde macht Kurt an einer alten Almhütte mit herrlich blühendem Kirschbaum Rast. Die Umgebung wird bewundert, dann noch ein Gruppenfoto und weiter geht es bergauf. Ein "Individualist" bittet uns in seine reichlich "ungepflegte Unterkunft". Er spielt uns auf seiner Gitarre ein Lied und wir hinterlassen artig einen kleinen Obolus. Immer weiter wandern wir bergauf und in der Ferne sehen wir den höchsten Gipfel unserer Reise, den 3483 m hohen Mulhacén. Er ist noch satt mit Schnee bedeckt.

Die Gruppe mit dem Mulhacen

Jetzt ist Rast angesagt mit Brotzeit, bevor wir wieder zum Bach hinabsteigen und ihn überqueren. Das Schmelzwasser tobt unter der alten Brücke und wir steigen eine halbe Stunde steil hinauf zum Örtchen Capileira, dessen weißgetünchte maurischen Häuschen steil am Hang kleben.

In Pampaneira Oberhalb des schönen Kirchplatzes lassen wir uns zu einer gemütlichen spanischen Brotzeit nieder, das da heißt: cerveza, vino tinto, jamón, queso y pan. Zwei Stunden machen wir es uns dort gemütlich, ehe wir zu unserem Hotel zurückschlendern. Beim wohlschmeckenden Abendessen wurde noch ausgiebig über die Besteigbarkeit des Mulhacén diskutiert. Fazit: Schaun mer mal, dann seng mas schoo!
(Jutta und Clemens Auer)



Dienstag, 20.04. : Wanderung von Trevélez entlang des Rio Trevélez bis Cortijo
Die Schlacht am Frühstücksbüfett entfällt heute, da die Studiosusgruppe abgereist ist. Bei nur einer Gruppe geht es etwas ziviler zu.
Punkt 9.00 Uhr, wie beim Rosenheimer AV üblich, sind alle gestiefelt und gespornt am Bus. Nur Gerd hat Sandalen an, was sich noch als nicht schlecht erweisen wird. Unsere Wanderung heute von Trevélez (1476 m, höchstgelegenes Dorf Spaniens) entlang des Rio Trevélez zum Horcaja (2000 m) beginnt. Der einheimische Busfahrer bringt uns ruhig und sicher hinauf nach Trevélez. Otto, der vor fünf Jahren mal hier war - er gewann damals eine Studiosusreise, weil er so schöne Bergbuidl machte - erzählt uns etwas von der Geschichte. Als Spanien bzw. Granada von den katholischen Königen zurückerobert wurde, haben sich die Mauren hierher geflüchtet. Das Gebiet war damals sehr abgelegen. Es gab ein Bergwerk und eine Moschee. Einige Steine davon sind noch zu sehen.
In Trevélez marschieren wir bzw. Kurt gleich zielbewußt zum Kirchplatz. Da gibt's schon die erste Unsicherheit: "Gehma rechts oder links an der Kirche vorbei?" "Rechts", entscheidet Kurt und fetzt los, wir alle hinterher. "Halt", war falsch, zurück, links geht's vorbei. Endlich sind wir richtig. Heinz geht seinen eigenen Weg. Wir befinden uns immer zuerst links, dann rechts des Rio Trevélez.

Blick Richtung Trevelez-Tal mit Pitres
Netter Fußweg, verschiedene Grüntöne durch die vielen Arten von Bäumen: Steineichen, Pappeln, Kiefern, Weiden, Walnußbäume und wilde Kirschbäume. Allmählich windet sich der Fußweg in den "Trichter" hinein. Links und rechts teils aufgelassene Anbaugebiete, jetzt noch steile Almwiesen für Kleinvieh, in Fortsetzung steile Felsen und Schluchten. Unser Weg wird nässer und nässer.

Manchmal gehen wir direkt in den acequias (Bewässerungskanäle), zur Zeit entstanden durch das Schmelzwasser. Es wird immer mehr, so daß einige von uns ganz ungewollt "einschöpfen", aber die Sonne trocknet's wieder. Bei Gerds Sandalen läuft's von selber wieder ab. Auf und ab, teils am und im Wasser, teils am Steilhang der Wasserschlucht erreichen wir das erste Ziel für die müde gewordenen Wassertreter. Die restlichen erreichen die letzten 150 Hm, den Horcaja (2000 m). Beim großen Viehunterstand gelangen wir zur Vereinigung der Flüsse Juntillas und Porto de Jerez (halbe Mannschaft). Nach einer kurzen Pause gehen wir zurück und treffen unsere wartenden Kameraden.
Da die Brücke, über die wir zum anderen Hang wechseln wollen, zerstört oder weggeschwemmt wurde, latschen wir den geichen Weg zurück. Nur Olga und Harro sind auf geheimnisvolle Weise auf der anderen Seite gelandet und kraxeln irgendwo in den Höhlen herum. Dikki, sie hatte von Otto keine Erlaubnis, brav hinterher. In großen Abständen trudeln alle müde in Trevélez ein. Die drei Abweichler mit einer halben Stunde Verspätung. Nach dem Abendessen gibt es noch ein langes und lautstarkes Palaver von wegen Besteigung des Mulhacén: ob mit Busanfahrt oder ohne; wer will rauf und überhaupt ...
Ich ziehe, müde von der langen Wanderung, mein Bett vor - ich auch!
(Ingrid Dirrigl und Carmen Reichl)


Mittwoch, 21.04. : Weiße Dörfer und viel Natur
Wir wandern von Bubión östlich erst einmal eine halbe Stunde steil bergauf. Damit haben wir auch schon den höchsten Punkt unserer Tageswanderung erreicht. Erst genießen wir den schönen Ausblick, dann geht's weiter durch schöne Kiefern- und Zypressenwälder nach Capilerilla und weiter nach Pitres zur ersten Einkehr. Wir wandeln den ganzen Tag auf maurischen Spuren. Diese hatten sich nach der Reconquista durch die Spanier nach hier zurückgezogen und lebten hier unbehelligt über 200 Jahre. Otto kann uns die Geschichte sehr gut erklären, denn er war mit seiner Dikki schon vor sechs Jahren hier.
Weiter geht es vorbei an herrlichen Blumen: Zistrosen, Immergrün, Waldvögelein, Aaronstab, Löwenmäulchen, Goldregen usw. In den Gärten blühen schon Rosen und Flieder, Orangenbäume, und ganz besonders schön der lilablühende Judasbaum.

Überquerung des Rio Bermejo
Das Highlight des Tages ist die Überquerung des Rio Bermejo, ganz in der Nähe einer römischen Brücke (über den Rio Trevélez). Erst scheint es, daß es wegen der glitschigen Steine nicht geht. Aber der routinierte Wast findet die richtige Spur und alle folgen nach. Nur der Uli fällt beinahe rein, während der Ernst nur Wasserballett spielt.





Maurische Zisterne





Waschmaschinen scheinen rar zu sein, denn in jedem Dorf sehen wir gemauerte Waschplätze...







Maurische Terassen




wo sich die Frauen zum Waschen und Ratschen treffen.










Unser Ziel Pórtugos erreichen wir um 16.00 Uhr. Unser Durst ist so gewaltig, daß der Wirt ein neues Faß Bier anzapfen muß. Wein, Schinken und Käse munden bestens, als uns der Bus abholt und zum Hotel zurückbringt. (Annemarie Färber, genannt "Hase")


Capileira


Donnerstag, 22.04. : Aufstieg zum Refugio Poqueira (2450 m)
Auf Vorschlag unseres Busunternehmers verkürzen wir uns den Weg zum Refugio Poqueira etwas und gewinnen dadurch einen interessanten Weg. Wir lassen uns mit Kleinbussen zum Kraftwerk am Ende der Schlucht des Rio Poqueira bringen und beginnen dort bei etwa 1500 m den Aufstieg. Eine kleine Gruppe hat sich getrennt und will in schnellem Angriff heute bereits den Gipfel erreichen.


Beim Anstieg zum Mulhacen


Unser Aufstieg beginnt ca. 10.00 Uhr. Auf halbem Weg beginnt ein heftiger Sturm zu wehen, der einen benachbarten Wasserfall gegen seine normale Fallrichtung senkrecht in die Höhe bläst. Der Weg ist bis zur Hütte gut markiert. Wir benötigen wegen des kalten Sturms gut drei Stunden bis zur Hütte. Diese ist geräumig, wir sind fast die einzigen Gäste, aber leider ist sie unbeheizt und deswegen saukalt, einschließlich der Schlafräume. Erst am Nachmittag wird ein offener Kamin entzündet, der einigen von uns in direkter Nähe einen kuscheligen Platz bietet. Die anderen finden trotz des Sturms eine sonnige, fast windfreie Ecke draussen, in der sich der Nachmittag gut verbringen läßt. Da wir Halbpension haben, bekommen wir abends ein hervorragendes, viergängiges Menü serviert. Anschließend ziehen wir alles an, was wir dabeihaben - einschließlich Mütze und Handschuhe - und begeben uns in unseren vollen Gemeinschaftsschlafraum.
(Harro und Olga Kranzbühler)


Freitag, 23.04. : Besteigung des Mulhacén (3482 m)
Nach einer mit mehr oder weniger lauten Schnarchgeräuschen verbrachten Nacht in einem Gemeinschaftslager im Refugio Poqueira (2500 m), Katzenwäsche, einem "üppigen" Frühstück, bestehend aus 4 Zwieback, 7 Keksen, je einem Päckchen Butter und Marmelade sowie Müsli, rüsten wir uns zum Ansturm auf den Mulhacén (3482 m).

Rast beim Aufstieg zum Mulhacen


Um 8.30 Uhr stehen bei schönstem Wetter elf unausgeschlafene Mutige und zwei Wiederholungstäter in den Startlöchern (sechs Unerschrockene haben den Gipfel unter widrigsten Windbedingungen am Vortag erreicht). Elf junge Steinböcke rund um die Hütte schauen uns verwundert zu.




Die letzte Steigung










Über leicht aufgefirnte und zwei steilere, noch hartgefrorene Schneefelder geht es zügig gen Gipfel.















Bergheil!

Nach knapp drei Stunden erreichen wir den, sich im letzten Moment zeigenden, schneebedeckten höchsten Festlandgipfel Spaniens.

Mit einer traumhaften Aussicht bis nach Granada und zum Meer werden wird belohnt. In einer windgeschützten Mulde gibt's Brotzeit und jeder freut sich über seinen Gipfelsieg. Nach einer halben Stunde heißt es aufbrechen, da 2000 m Abstieg vor uns liegen. Über weite Schneefelder abwärts sehen wir nach ca. einer Stunde erstmals weit unten unser Ziel: Trevélez - mit 1450 m Höhe ist es das höchste Dorf Spaniens. Nach knapp drei Stunden Gesamtgehzeit, auf einem steil abwärts, gut begehbaren Weg, sind die ersten Häuser erreicht. Die farbenprächtige Landschaft, in die wir wieder eintauchen, ist ein wohltuender Kontrast zum schneebedeckten Gipfel. Nach einigen Verirrungen in den zahlreichen Gäßchen von Trevélez können wir mit grandes cervezas, vino tinto und vom Wirt spendierten tapas unseren Gipfelerfolg feiern.
Müde aber glücklich fährt uns der Bus 25 Kilometer zurück in unser schön gelegenes Bubión zum Abendessen - Fisch oder Fleisch?
(Marlies Kogel)


Samstag, 24.04. : Granada
Heute nehmen wir Abschied von den liebgewonnenen Dörfern, Tälern und Höhen der Sierra Nevada und richten unsere Sinne nach neuen Taten aus. Wir besuchen Granada. Mitten im Verkehrsgewühl läßt der Bus uns raus. 31 sind wir, denn Uli, der ja immer schon alles kennt, will seine eigenen Fährten ziehen. Marlies wird das Amt des Zählens auferlegt, das sie wiederholte Male ausführt: nach der Capilla Real, in der die katholischen Könige liegen, nach der Kathedrale, dem schönen Renaissance-Kirchenbau, einige Male den Albaicín rauf bis zum schönsten Aussichtspunkt auf die Alhambra, den Mirador de San Nicolás, und wieder runter.

Granada: AltstadtGranada: Maurische Altstadt

Nachdem wir alle aber brave Schafe sind und unserem Leithammel Kurt immer folgen, gibt's auch am Schluß die Belohnung: alle 31 sitzen rechtzeitig im Bus und fahren voller Erwartung zur Alhambra, der "Roten".

Granada: Alhambra "Generalife"












Wir wandern zuerst durch den Generalife = übersetzt: Allah ist der Schöpfer des Gartens - wunderschön! Am Sonnenhügel - schönster Blick auf Granada und Alhambra.
Granada: Alhambra, Löwenbrunnen



















Dann überwältigen uns die maurischen Innenausstattungen der drei nasridischen Königssäle: Mexuar, der Empfangspalast, Serallo, Palast der Gesandten, der Harem, Palast der Sultana - sie alle beeindrucken durch 1. die geschnitzte Holzdecke mit Sternen, 2. die Stuckarbeiten mit den Inschriften: Es gibt keinen Sieger außer Allah!, 3. die Kachelmosaiken. Wir lernen, daß die Zahl 7 tatsächlich die Glückszahl ist. Im zweiten Palast zeigen uns 7 Sternreihen an der Decke, daß wir in den 7. Himmel kommen können. 600 Jahre dauert es vom 1. zum 2. Himmel, also 4200 Jahre bis zum 7. Himmel. Terroristen bleibt der lange Weg erspart. Glück für uns: es ist der 7. Tag unserer Reise.








Stimmen des Volkes nach der Führung: Harro: Jetzt a schöna Tisch, a Maß Bier, unter an Kastanienbam und d'Fiaß ausstrecka. Kurt: Das ist anstrengender als eine Bergtour. Heinz, unserem Altmeister, gebührt besonderers Lob für sein Durchhaltevermögen, auch wenn er zum Schluß rief: "Tuk - Christl, trag mi !" Endlich im Bus tauchen wir in die Olivenplantagen Spaniens ein - soweit das Auge reicht, Millionen von Olivenbäumen. Wir erreichen Rute und quartieren uns im Hotel María Luisa ein.
(Helga Bachleitner und Ulli Brodschelm)


Sonntag, 25.04. : Kulturtag in Córdoba

1. Busfahrt von Rute nach Córdoba.

Palaststadt Medina Azahara



2. Besuch der Palaststadt Medina Azahara, erbaut ab 936 von Abd ar Rahmann III und im Jahre 1010 vollständig zerstört. In jüngster Zeit wurden durch aufwendige archäologische Arbeit alle Mauerreste freigelegt und die Anlage weitgehendst rekonstruiert. Eintritt für EU-Bürger frei!






Moschee und Kathedrale "Mezquita"

3. Fahrt in die Innenstadt von Córdoba. Temperatur 31o C. Besichtigung der Moschee und Kathedrale, die Mezquita. Erbaut ab 788 (Hauptmoschee) und Einfügung einer christlichen Kathedrale (1523). Die Besichtigung der Mezquita ist einer der ganz großen Höhepunkte unserer Andalusienreise. Der Eindruck, den diese Säulenmoschee hinterläßt, ist in Worten nicht zu beschreiben.




4. Anschließend ein Gang durch die Altstadt spez. durch das "Judenviertel" und Besichtigung der Synagoge.

Zuheros
5. Auf der Rückfahrt Halt in Zuheros, einem der vielen, weißen Bergdörfer. Der Bus fährt uns bis an das obere Ende des Dorfes und wartet dann am unteren Ende, so daß wir ohne großes Schweißtreiben das Dorf von oben nach unten durchwandern können. Auf der Aussichtsterrasse, unterhalb der Burg, dann für alle Einkehr bei Schinken, Käse, Oliven und Wein, Sherry oder Kaffee.



Ein erlebnisreicher Tag mit vielen bleibenden Eindrücken geht langsam zu Ende.
(Hermann Kammerlander)


Montag, 26.04. : Ausflug in den Naturpark El Torcal de Antequera und Wanderungen zwischen den Felsformtionen aus Kalkstein.
Nach einigen Anfangsschwierigkeiten (Fini kann wegen Halsschmerzen kaum reden, Erni leidet unter Nasenbluten und Hexenschuß, Ingrid ist nicht ausgeschlafen, da einige lautstarke Nachtlichter ihren Schlaf gestört hatten) sind endlich alle auf dem Parkplatz vor dem Hotel in Rute vereint - allerdings fehlt der Bus! Erst nach fast einer Stunde kann die Fahrt mit einem Ersatzbus beginnen (der vorgesehene Bus hat Motorschaden). Der erste Höhepunkt der Fahrt ist ein Novum: zum ersten Mal dürfen wir in einen richtig großen Supermarkt einkaufen gehen. Der Chronist flüchtet gleich wieder. An den Einkaufstüten sieht man dann, wie weit sich der Hunger und vor allem der Durst in dem verpflegungsmäßig nicht ganz so erstklassigen Hotel in Rute aufgestaut hat: Zum Beispiel Uli mit Riesentüte, Carmen dagegen mit kleiner Tüte, Kurt gleich mit zwei Tüten. Kommentar von Olga: "Der bleibt länger." Gerd nur mit zwei Flaschen Rotwein, Marianne mit Safran und Irmi mit Obst.
Eine denkwürdige Variation des Bergprogramms ist dann der weitere Verlauf der Fahrt, denn wir besteigen den höchsten Punkt des Berges mit dem Bus.

Steinerne Wächter
Oben ausgestiegen, verläuft sich alles erst einmal in alle Richtungen: vom Mirador mit Aussicht bis nach Malaga pfeift uns gleich der kalte Aufwind wieder zurück.
Im Informationszentrum pfeift zwar kein Wind, aber Kurt, der uns auf den richtigen Weg bringen will. Große Sorge bereitet ihm die Tatsache, daß er nicht genau weiß, ob auch wirklich keiner schwindelt und schnell die kürzere grüne Runde geht.
Der Chronist auf jeden Fall hat das Glück, mit Spezialistinnen bezüglich der Flora auf dem wunderschönen, gelb markierten Rundweg unterwegs zu sein. Martha und Carmen sind zwar nicht immer gleicher Meinung, aber sie einigen sich dann meistens auf einen botanischen Namen. Anfangs müssen wir uns den Weg mit älteren Studiosus-Reisenden und jüngeren Schulklassen teilen, aber nach der Abzweigung zum gelben Teil können wir den Weg in warmer Sonne bei Windstille genießen. Er schlängelt sich durch bizarre Felsformationen, die aussehen wie gewagt aneinander geschichtete Teller, teils mit Längsrillen versehen, teils mit Köpfen und Hüten obendrauf und man erwartet immer, ob das Gebilde nicht umkippt.

Landestypische Flora
Dazwischen eine einzigartige Pflanzenwelt, u.a.mit Hummelragwurz, Hyazinthen, Ranunkeln, Scilla, Pfingstrosen, Riesenschafbockskraut, Riesenanemonen, Storchenschnabel, Pastinak, Ruscus und Steckenkraut. Ein lauschiger Rastplatz in einer großen Mulde sorgt für eine willkommene Unterbrechung. Trotz dieser märchenhaften Umgebung wird heftig über hinduistische und andere Methoden der Leichenverbrennung diskutiert. Erst eine lärmende Schulklasse beendet dieses Thema und die Rast.
Mit dem Bus geht es dann auch wieder runter vom Berg, allerdings sehr langsam, denn einige haben immer noch nicht genug fotografiert und suchen die schönsten Motive mit Ginster und Pfingstrosen. Ein weiterer Höhepunkt auf unserer Fahrt ist ein Abstecher zur Laguna de Fuente de Piedra. Dort können wir durch Lücken im Gebüsch in ca. 100 m Entfernung Flamingos bei der Nahrungssuche beobachten. Gerhard opfert sich, überwindet den Schutzzaun des Naturschutzgebiets und dringt in Richtung der Sumpfzone vor. Die Vögel allerdings vertreiben ihn nicht aus ihrem Revier, sondern suchen sich flugs einen anderen Futterplatz. Um den Futterplatz unserer Gruppe, sprich ein ansprechendes Vino- und Tapa-Lokal, ist es dagegen schlecht bestellt; in der ganzen Gegend ist alles geschlossen. Deshalb fahren wir gleich zum Hotel zurück, durch endlose Olivenhaine, flankiert von Hügeln und Bergen, was einige in tiefen Schlaf versetzt. Im Hotel angekommen werden wir erst einmal vor die schwierige Frage gestellt: Fisch oder Fleisch? Nach Lösung dieses Rätsels begeben sich einige an die Bar, einige in den Ort - laut Helga, Ulli und Gudrun "greißlich" - und einige an den Swimmingpool, wo Gerd und Uli ausgiebig schwimmen.
Nachdem wir unsere drei Hotelnächte bezahlt haben, bekommen wir ein etwas liebevoller zubereitetes Abendessen. Den Ausklang des Abends verbringen die meisten beim Packen und die ganz Abgehärteten an der Bar. Dank Kurt und seines Sprachrohrs und Übersetzers Uli haben wir einen wunderschönen Tag verbracht.
(Irmi und Michael Keller)


Dienstag, 27.04. : Kulturhistorische Wanderung in Sevilla
Ganz früh reisen wir aus Rute ab und fahren in die Hauptstadt von Andalusien am Rio Guadalquivir. Sie gilt als die andalusischste Stadt. In ihr soll die Synthese von maurischem Erbe und christlicher Kultur am besten gelungen sein. Vom Bus aus können wir die moderne Architektur auf der Expo-Insel sehen. Uns aber interessieren die historischen Bauten.
Wir fahren an der schönsten (Barock-)Stierkampfarena der Welt vorbei und beginnen unsere Tour mit einem Gang durch den Parque de María Luisa, der grünen Lunge der Stadt. Sonnenschein und angenehme 28 Grad.

Feria de Abril: Trajes de flamencaFeria de Abril


Zur Zeit findet hier das farbenprächtigste Fest Spaniens statt, die Feria de Abril. Immer wieder sieht man sevillanas in bunten trajes de flamenca und stolze caballeros hoch zu Roß. Den versprochenen kollektiven Freudentaumel - ganz Sevilla tanzt! - erleben wir aber nicht, da das Fest in einer riesigen Zeltstadt in einem anderen Viertel gefeiert wird.

Catedral Santa María mit Giralda





Aus Zeitgründen können wir nur die zwei herausragendsten Sehenswürdigkeiten erkunden: Die Catedral Santa María de la Sede: Nach der Rückeroberung wurde sie an Stelle der Moschee errichtet. Sie ist die drittgrößte (und größte gotische) Kirche der Welt mit dem größten Altaraufsatz der Christenheit in der Capilla Mayor. Überragt wird sie vom Glockenturm und Wahrzeichen Sevillas, der Giralda, einst das höchste Minarett der Almohaden-Herrscher. Man kann hinaufsteigen - diese Gipfelgelegenheit lassen sich viele der Gruppe nicht entgehen.








Reales Alcáceres: Palastanlage der maurischen Herrscher Ein Juwel islamischer Handwerkskunst sind die Reales Alcáceres: Die Palastanlage (und herrlichen Gärten) der maurischen Herrscher und Pedro I. ist eines der bedeutendsten Bauwerke in dem ausschließlich in Andalusien auftretenden Mudéjar-Stil (Holz, Stuck, azulejos/Kacheln und Ziegel). Dieser von den nach der reconquista in Spanien verbliebenen maurischen Künstlern (die mudéjar) geschaffene Kunststil ist eine Synthese der islamischen und christlichen Stilrichtungen (s.a. Nasridenpalast/Alhambra). Nach der Tour gönnen wir uns noch eine typisch spanische merienda im Barrio de Santa Cruz, dem ehemaligen jüdischen Viertel. Dann brechen wir zu unserem neuen Domizil in der Sierra de Grazalema auf.
(Maria Schwaiger)


Mittwoch, 28.04. : Stadtbesichtigung Ronda und Besteigung des Pico de Torreón (1654 m)
Grazalema, im gleichnamigen Nationalpark unterhalb mächtiger Felsen gelegen, soll der regenreichste Ort Spaniens sein. Na also! Am Morgen verhängen Regenwolken alle Berge. Bis fast zur Ortschaft reichen die dunklen Wolken. Es regnet leicht. Dies ist nun der erste Regentag auf unserer 14-tägigen Reise. Der Reiseplan wird geändert. Wir fahren zur Stadtbesichtigung nach Ronda. Über enge, kurvige Straßen und durch Korkeichenwälder fährt der Bus bergabwärts.

Ronda mit der Schlucht "El Tajo"




Ronda, ca. 25.000 Einwohner, liegt eindrucksvoll auf einem steil nach allen Seiten abfallenden Felsenplateau. Eine enge Schlucht, El Tajo genannt, spaltet die Stadt. Durch diese Schlucht fließt der Guadalevín. Zwei weitere Brücken überspannen den Tajo an flacheren Stellen, die Römische und die Arabische Brücke. Die Neue Brücke, 98 m hoch, verbindet beide Stadtteile, die Fußgängerzonen der Neustadt und der Altstadt. Ronda gilt als Wiege des Stierkampfes. Hier wurden im 18. Jh. von der Stierkämpferfamilie Romero die heute noch gültigen "Wettkampfregeln" festgelegt. (Was heißt Regeln? Der Stier verliert immer!)





Unser Weg geht zunächst zur ältesten Stierkampfarena. Nur Hermann ging als einziger "mutig" hinein. Der Rundgang entlang der Steilwand, mit herrlichem Tief- und Weitblick, führt uns über die Neue Brücke zum ältesten, dem maurischen Stadtteil. Uli und Kurt führen getrennt die Gruppen. Beide Gruppen treffen sich wieder, und dies wohl ungewollt, in der Fußgängerzone der Neustadt beim Herkules mit den beiden Löwen.
Landschaft um Ronda
Die Besteigung des Pico de Torreón, des höchsten Berges im Naturpark Sierra de Grazalema, war am Nachmittag noch angesagt. Während eine kleine Gruppe am Paß vom Bus ausstieg und über einen neuangelegten "Blumen"-Wanderweg zum reizvollen Gebirgsort Grazalema wanderte, wollte die größere Gruppe noch den Gipfel erreichen. Sie schaffte es bei Regen und dichtem Nebel. Zum Abendessen, so glaube ich, gab es im Hotel ein Lammgericht.
(Otto Niklaus)




Donnerstag, 29.04. : Stadtbesichtigungen Arcos de la Frontera und Zahara - Wanderung in die Schlucht Garganta Verde
Beim Frühstück wurde die für heute geplante Tour wegen schlechten Wetters umgestellt. Vorgestern hatten wir in Sevilla 32° C, heute dagegen nur 13° C.
So machten wir uns auf den Weg: Rundfahrt um den Parque Natural Sierra de Grazalema mit Blick auf die malerisch gelegenen weißen Dörfer.
Stadtbesichtigung (eigentlich Dorf-) von Arcos de la Frontera. Wir hatten eineinhalb Stunden Zeit, um Postkarten zu kaufen, rumzuschauen und zu fotografieren.

Schlucht Garganta Verde






Dann fuhren wir weiter - zwecks Auslauf der Zweibeiner: die Wanderung war angesagt - in der Garganta Verde. Das heißt (falls hier jemand nur Spanisch verstehen sollte): Grüne Schlucht. Und es bedeutete u.a. Stalaktiten und Stalagmiten, 300 Hm Abstieg, 500 m Bachverlauf.











Landestypische Flora






Sodann ging es mit dem Bus weiter - Richtung Zahara (nicht zu verwechseln mit Sahara, die liegt woanders): ein Dorf, das sehr schön gelegen ist und weiß leuchtet. Bei Bier oder Wein mit einheimischer Brotzeit ging ein schöner Tag zu Ende. Danke Dir, Kurt.
(Ernst und Josefine Kögler)









Freitag, 30.04. : Wanderung im Naturpark Grazalema durch den "Igeltannenwald" nach Benamahoma
Die Behörde für den Naturpark Sierra Grazalema hat uns die Genehmigung für die Tour durch den Igeltannenwald, die am 28.4. vorgesehen war, für den 30.4 gegeben. So fiel diese Wanderung auf den 13. Tag. Am Frühstücksbüffet gab es ziemlichen Stress. Am Vorabend waren zwei neue Reise-Gruppen angereist. Dadurch dauerte es immer eine Weile bis sich jeder Einzelne der neuen Gäste mit dem Angebot und vor allem mit dem Kaffee-Automaten vertraut gemacht hatte.
Es hatte nachts geregnet wie schon in den letzten zwei Nächten. Der Tag ist grau und regnerisch; dazu ging ein starker kalter Wind, so dass man Handschuhe gut gebrauchen konnte. Der Großteil der Teilnehmer wanderte direkt vom Hotel in Grazalema in nordwestlicher Richtung zu einem Sattel. In diesem Sattel bildete eine Staumauer einen kleinen Stausee. Von dieser Staumauer hatte man den letzten Gesamt- oder auch Postkartenblick auf Grazalema. An dem Stausee vorbei durch Kiefernwald kamen wir an das Tor des Nationalparks. An dieser Stelle hat der Bus auch die wenigen Teilnehmer abgesetzt, die nicht so gut zu Fuß waren. Sie hatten sich dadurch eine Stunde Aufstieg gespart.
Weiter im Kiefernwald in westlicher Richtung bis zu einer Scharte und der eigentliche Aufstieg war geschafft. Just an dieser Stelle, in einer Nische, wuchs eine schwarzbraune Ragwurz. Der Weg ging, nun nur noch leicht steigend, in westlicher Richtung, am Nordhang des Pico de Torreon, mit einer Höhe von 1654 m, den wir vor zwei Tagen bei Nebel bestiegen hatten, entlang. Es ergaben sich großartige Ausblicke ins weite Land, mit seinen Tälern und Höhen und ihrem urtümlichen Bewuchs. Es zeigten sich auch die ersten Igeltannen, eine epidemische Art, die dunkelgrüne, fleischige Nadeln haben. Die Nadeln sind wie bei unseren Fichten rund um die Ästchen angeordnet. An einigen Zweigen konnte man sehen, wie sie gerade blühten. Nach ca. einer halbe Stunde wechselte der Weg auf die Westseite des Massives und ging in gemäßigtes Gefälle über. Er tauchte in dichteren Wald mit überwiegend Igeltannen ein.
In unregelmäßigen Abständen begegneten uns skurrile Gestalten, Jahrhunderte alte Steineichen oder andere Laubbäume. Über und über bemoost und teilweise flechten- oder efeubehangen, blickten sie uns mit großen Astaugen an, als wollten sie sagen: seid unbesorgt, wir halten die Wacht. Waldvögelein in unmittelbarer Nähe scheinen es verstanden zu haben. Diese Gegend ist die niederschlagreichste Spaniens, das erklärt diese üppige Vegetation. Auf einer Waldweide machten wir Brotzeit. Dabei schauten wir Gänsegeiern zu, oder sie uns.
Ab hier veränderte sich der Bewuchs. Igeltannen wurden weniger, Laubgehölze nahmen zu, unterbrochen von Mastexsträuchern und Zistrosen. Zwischendrin leuchteten uns die dicken Knospen der Pfingstrosen oder noch die kleinen Sterne der wilden Osterglocken entgegen. Mittlerweile hat es aufgeheitert und die Sonne beglückte uns mit ihren wärmenden Strahlen. Auf einer Forststraße erreichten wir das Ausgangstor des Naturparks am Dorfrand von Benamahoma. In der ersten Taverne haben wir, auf gedeckter, windgeschützter Terrasse, bei Tappas und Vino-Tinto gewartet, bis wir wieder alle beisammen waren, denn die Gruppe hatte sich ziemlich in die Länge gezogen. Unser Bus stand schon auf der anderen Seite des Dorfes bereit. Er brachte uns auf der Südseite des Pico de Torreon Massives nach Grazalema zurück, so dass wir dieses einmal umrundet hatten.
Vor Grazalema liess Kurt den Bus anhalten. Wer wollte konnte aussteigen und den Ort besichtigen. Ich ging auf der Autostraße weiter und kam mir vor wie bei einem Strandspaziergang, die sanften Wellen des aus Mönchen und Nonnen gebildeten Dächersees spülten bis an meine Füße. Bei der nächsten Abzweigung tauchte ich ein in die Ebene mit Türen und Fenstern. Auf einer sanft gegen Nordosten abfallenden Gasse ließ ich mich über mit Ziegeln markierten Caros, die mit Kopfsteinen ausgepflastert waren, abwärts treiben. Vorbei an Fenstern, die meist vergittert waren. Ich fragte mich, ob hier nur Gangster herumlaufen oder ob der ganze Ort ein riesiges Gefängnis ist.
Die Fenster, teilweise mit reichem Blumenschmuck, waren abgedeckt mit stuckähnlichen Baldachinen und gestützt mit in der gleichen, aber umgekehrten Form, gebildeten Konsolen. Die Häuser unterschieden sich, bis auf kleine Nuancen, die den persönlichen Schwung der jeweiligen Handwerker erkennen ließen, nur wenig voneinander; sie zeigten einen grundehrlichen Reihenhauscharakter. Was sie aber am meisten einte und verband, das war ihr Weiß, ein Weiß das bei allen aus dem gleichen Topf zu kommen schien.
Während ich so meine Beobachtungen machte, stand ich urplötzlich vor einem Haus, ein Haus das sich auch noch querstellte, weil es in einer Straße stand, die diejenige in der ich gerade abwärts schlenderte, in stumpfem Winkel abschloss. Mir war als hätte ich meinesgleichen getroffen. Das Haus, das etwas alleine stand und keine Nachbarn zum Anlehnen hatte, es setzte sich ab von der übrigen Einheitlichkeit, es war dottergelb ge- strichen und an den vorderen Ecken und an der Dachkante mit einer Porte aus blauweiß gemusterten Kacheln verziert. Das Haus, so extravagant es dastand, mit ihm wollte niemand etwas zu tun haben. Es stand leer, denn das Dach war schon eingefallen.
Ich nahm Abschied von meinem Haus, das mich in der Seele getroffen hatte und schlenderte weiter, bis ich an den nord östlichen Dorfrand kam. Es war auch eine der Stellen, wo der Ort über eine Zufahrt mit der großen Straße verbunden war. Diese Zufahrt, sie war gesäumt von uralten Judasbäumen. Sie waren sehr stark gestutzt und bestanden nur noch aus dem Stamm und den etwa zwei Finger dicken Hauptästen. Sie standen da blattlos, aber aus unzähligen schlafenden Augen quollen büschel weise rosa Blüten, ähnlich den Bollern auf den gleichnamigen Hüten, Schwarzwälder Trachtenschönheiten.
Der Ort, durch drei Seiten eingebettet von Bergen, machte auf mich einen verschlafenen Eindruck. Es mag aber auch daran gelegen haben, dass es um 16 Uhr noch die Zeit war, die man in Spanien als Siesta bezeich net. Für mich war es die Zeit ins Hotel zu gehen und zu packen, denn morgen hieß es Abschied nehmen, hin zu andrem Ort mit andren Häusern und andren Bäumen.
( Gabi Heinz und Gerhardt Rogler)


Samstag, 01.05. : Gibraltar
Maifeiertag!, mal sehen, was er für uns bringt. Zumindest kann's nur sonniger und wärmer werden ...... Das wunderschöne, unter Naturschutz stehende Gebirge bei Grazalema schickte uns in der Früh zum Abschied nochmal Wind und heftigen Regen, - Spanien kann so kalt sein!!
Um 8.00 Uhr Abfahrt von der gepflegten Anlage Villa Turística, wo es aber auch gar nichts zu beanstanden gab. Die Fahrt führte uns auf der Straße 369 zur Costa del Sol: Wir verließen Hoch-Andalusien, hatten zum Teil hinreißende, nie gesehene Blicke auf Berggipfel der Sierra Grazalema. Frisch gewaschene, im Sonnenlicht glänzende, grüne Hügellandschaft, von rechts grüßte Ronda. Wir durchstreiften diese Stadt drei Tage zuvor ausgiebig. Später wolkenverhangenes, hohes Hügelland mit leuchtend weißen Dörfern. Dazu feine akustische Untermalung mit José Luis Encinas Gitarre. - Regen! - Störche "unter Hochspannung" (O-Ton Clemens), - noch 15 km bis zur Costa del Sol.
Nun ist unser letztes großes Ziel erreicht: Gibraltar

Der Fels von Gibraltar

Leider wieder kein Photowetter; und die Seilbahn zum "The Rock" war außer Betrieb. Das waren teure Affen! 15 Euro für aufi und owi mit dem Taxi. Zugegeben, inclusive Eintritt, englischsprachigen Erklärungen und Photostops. Die apes gaben sich recht mobil, waren auch bei Helga und mir sehr kontaktfreudig. Mehr als 250 dieser Magot-Affen (schwanzlose Meerkatzen) gibt es jetzt. Wird Gibraltar einmal zu Spanien gehören? Winston Churchill soll gesagt haben, erst wenn der letzte Affe verschwunden sei, würden die Briten "Gib" aufgeben! Das kann dauern. Außerdem wollen die 30.000 Gibraltarenos das nicht.
Von dort oben wunderbare Aussicht auf die Straße von Gibraltar sowie die "zwei Säulen des Herkules" - Marokko und Spanien -, 24 km Meer dazwischen. Bei unserer Taxireise begegneten wir dem harten Kern des DAV, der den 430 m hohen Fels von Gibraltar zu Fuß erklomm.
Wieder unten angelangt, suchten viele in der belebten Hauptstraße ein Pub auf, um Fish and chips und Ale zu kosten bzw. um eine vorgezogene Tea-time abzuhalten. Der Ort Gibraltar selbst bietet unseren von andalusischen Dörfern verwöhnten Augen gar nichts, vom bunten Nationengemisch afrikanischer, indischer, portugiesischer, englischer und natürlich spanischer Bevölkerung mal abgesehen.
Retour ging's wieder durch Paß- und Gepäckkontrolle, und pünktlich 15.00 Uhr war Abfahrt. Auf regennasser Autostraße ereichten wir nach einer reichlichen Stunde Fahrzeit die letzte Station unserer Reise: ein Hotel nahe Marbella, gerade rechtzeitig vor der nächsten Dusche! Ich hoffe, diese Niederschlagsfreudigkeit ist eine Ausnahme, eben ein letztes "Aprilwetter". Denn wenn so richtig die Sonne brennt, wie damals in Sevilla, dann glaubst Du's: Du bist in Spanien!
(Margit Sondershaus und Martha Döring)

Sonntag, 02.05. : Heimreise
Letzte Nacht im Hotel Ciudad de Marbella. Das Frühstück ist so bescheiden wie auf der ganzen Reise nicht: eine Tasse Kaffee, ein Glas Orangensaft, ein Brötchen und einen kleinen Klacks Butter und Marmelade. Ach, was wurden wir bisher verwöhnt. Da fällt der Abschied nicht schwer. Packen und Gepäck bis 10.00 Uhr in unseren Bus. Danach noch fünf Stunden Bummeln durch Marbella. Erst nieselt es nur, dann rengts und saukoit is dazua. Die "Frommen" flüchten in eine Kirche zum Sonntags-Gottesdienst, andere wärmen sich mit Sherry, Brandy oder Vino tinto in verschiedenen Bars. Für unsere Frauen besonders ärgerlich: sonntags haben die Geschäfte geschlossen, wo es doch sooo schöne Kleider und Schuhe in den Schaufenstern zu sehen gab.
Überpünktlich um 15.00 Uhr waren alle beim Bus. Fahrer Jorge fuhr uns in einer Stunde zum Flughafen nach Malaga. Während der Fahrt sprach unser Senior Heinz mit launigen Worten unseren Dank an den Organisator Kurt Möller und seinen Dolmetscher Uli Stark aus. Unterwegs sahen wir von Marbella über Torremolinos bis nach Malaga eine Baustelle nach der anderen - ein Baurausch sondersgleichen. Wer soll alle diese uniformen Ferienunterkünfte kaufen? In einen spanischen Immobilienfond würde ich keinen einzigen Euro riskieren!
Pünktlich hob unsere Air Berlin in Malaga ab und brachte uns in einer Stunde zum Zwischenstop nach Mallorca. Von hier betrug die Flugzeit, wegen des starken Rückenwindes, nur eineinhalb Stunden. Strahlhuber Schorsch und Sohn Andi warteten mit ihrem Bus bereits auf uns und es hätte gleich losgehen können. Doch unglücklicherweise hatte die Carmen ihre Wanderstöcke nur mit einem Klebeband am Gepäck befestigt. Das hat sich gelöst und nun liegen die Stöcke auf irgendeinem Flughafen herren/frauenlos herum. Verlustmeldung schreiben - Bürokratie halt.
Während es in München noch geregnet hat, kamen wir kurz nach Mitternacht in Rosenheim an und Mondenschein und Sternenhimmel begleiteten uns auf dem restlichen Heimweg.
(Clemens Auer)