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Wanderreise in die nördliche Toskana |
| Tourenbegeleiter: Kurt Möller Bei meist idealem Wetter konnten alle geplanten Ziele erwandert werden, so u.a. Pania di Corfino (1602m), Pania della Croce (1858), Monte Prado (2053), Monte Tambura (1889), Monte Forato (1223), La Ripa (1307), Fiume Rimonio (Schlucht). |
| Um 7h ab Loretowiese gehts per Autobahn bis Modena-Sud, dort Rast in der area servizio "TEURO" (sprich te-u-ro). Dann über Land immer idyllischer und kurviger übern Radieserl-Paß (Passo delle Radici, 1529m) hinauf/hinab, zuletzt den Abzweiger hinauf zu unserer Wanderheimat Corfino. Wir müssen noch über eine schwindelnde Brücke die einen Knick in der Mitte hat und grad so breit ist wie der nagelneue 40-er Renault von Schorsch. Die welschen Pfeiler werden von toskanischem Moos zusammengehalten - eine absolut vertrauenswürdige Konstruktion. Drunter gehts mindestens 100 hm hinab. Lydia sagt: "Hier fahr ich nie mehr rüber", vergißt aber später ihren Vorsatz. Bei der Ankunft im Albergo Panoramico wird zuerst die Zimmerbelegung optimiert. Da sind wir großzügig, Kurt als Leuchte der Liberalität voran! Der Chefin, Signora Silindra, ist das wurscht. Von solidem Leibesumfang wie Mamma Leone, begrüßt sie uns äußerst freundlich, kullert mit ihren blauen Augen, lächelt bis an die Ohren und sagt in einem fort "graaazie" - besonders weil sie gleich unser Bares im vorhinein erhält. So kann dies nicht mehr geklaut werden - uns wenigstens. Sie hat ja auf dem Baren bestanden, soll sie damit glücklich werden. Unsere gute Mamma besitzt also das Albergo sowie eine Familie. Ihr Marito agiert unbemerkt im Hintergrund (ihm gehört ja nix) und ihre Söhne hält sie in Bewegung. Die ganze Familie wohnt in einem winzigen Souterrain-Zimmer gleich neben der Rezeption. Sessel und Kanapee darin sind mit Teppichen dick belegt; darauf türmen sich jede Menge Stapel frischer weißer Hotelwäsche, dazwischen lümmelt Mamma's Familie herum, schichtet die Wäsche ständig um und verfolgt in Wirklichkeit am Familienfernseher das Jahrhundertspiel Torino di Sotto gegen Torino di Sopra, 3:1, grandissimo! Es ist wirklich ein Idyll. Darüber hinaus hat Signora nur Eßbares im Sinn, bereitet alle fünf Gänge delicato und sieht auch so aus, als ob sie gern aufkocht. Und der Landwein ist inklusiv ! Das spricht allen sehr zu - die Rückkehr in die Realität am nächsten Morgen ist dann etwas schwierig. Bemerkenswert in Mammas Riege ist auch noch Giovanni, der korrekt in schwarzen Frack gekleidete Kellner. Giovanni lebt auf riesigem Fuß, Größe 48 mindestens. Das braucht er auch bei seiner Körperlänge. Unerschütterlich wie ein Leuchtturm, gebeugt und sehr flott wandelt er durchs abendliche Freßchaos im Restaurant; immer sehr freundlich, einen lustigen Spruch auf den Lippen. Zielgenau und mit unnachahmlicher Grandezza schlenzt er Teller, Platten, Löffel dorthin wo sie gerade hingehören. Dabei trällert er, nichts geht daneben... Sein Beruf macht ihn glücklich.
Abends stellen Ingrid und ich fest: unser Zimmer hat einen herrlich freien Blick nach Osten hinab ins Serchio-Tal und ringsum auf die wohlgeformten apuanischen und apenninischen Bergketten, aufgelockert durch zahllose kleine Kirchdörferl - jedes auf einer eigenen kleinen Kuppe des rauhen Gebirgs angesiedelt. Himmelblauer Rauch kräuselt aus den bäuerlichen Kaminen; man heizt mit duftendem heimischen Holz und lebte früher hauptsächlich von Kastanien. Beim nächtlichen Vollmond zirpen die Grillen; ab und zu erzählen sich die Hunde etwas über die Dörfer hinweg. Dann ist wieder Ruhe. Diese einfache Landschaft verbreitet klassische Harmonie und eine eigentümliche Art von tiefem Frieden. |
| Als Eingehtour für heut vorgesehen ist der "Hausberg" von Corfino, die "Pania". Erst durchs Dorf, dann über verlassene Weinbauterassen durch lichtes Laubgehölz im hellen Frühlingsgrün gehts hinauf in die Bergwiesen. Dort führt uns Kurt über Matten mit teppichweis zarten, weißen Narzissen - alles vorher ausgekundschaftet! Die durcheinandergewürfelte Almen- und Berglandschaft trägt einen lieblichen, heiteren Charakter - "serena" bedeutet dies wohl in der Landessprache.
Die Göttin der Heiterkeit wird uns weiterhin durch unsere toskanischen Tage begleiten. An einem Kamm entlang - strohtrocken aber leuchtend blau und gelb gebleamlt - erreichen wir das hölzerne Gipfelkreuz und genießen nun brotzeitelnd zum ersten Mal die gleichzeitig rauhe und freundliche Landschaft der Garfagnana von oben. Ein Wanderer mit Leib und Seele - wie Kurt zum Beispiel - sucht sich eben sowas raus, ganz richtig. Wir beenden den Ausblick und machen einem Häuflein "british people" Platz, die sich sogar über unsere ungelenken englischen Töne freuen - wie müssen die an ihrer Heimat hängen! Die kommen sich wohl schon ganz im Ausland vor. Nach Westen absteigend - dort ist ein Gehege für Bären zum Aufbinden, man sieht aber nur Angsthasen darin herumlaufen - erreichen wir zunächst das Rifugio Isera mit dem angeblich so billigen Wein. Dort will man uns aber nicht so gern haben in unserer Massivität. Also rüber zum "La Greppia" - ätsch, Montag Ruhetag hattunichtgewußt? So lassen wir uns aber nicht ausschmiern, das haben wir garnicht nötig. Stolz fahren wir nach Haus zu unserer "Mama Leone" - dort kriegen wir den Wein umsonst! Dazu müssen wir nur noch so zwei, drei Stünderl aufs Essen warten. Diese Zeit überbrücken wir locker mit Plätschern (das macht man mit kühlem Bier, nur dermatologische Ignoranten tun das mit heißem Wasser!), Schafkopfn oder Kulturarbeit. So z. B. freuen sich zwei oide Weiberl in der heimischen Chiesa Parocchiale über unser Interesse an der Inneneinrichtung, welches ja rein antiquarischer Natur ist. Die jüngere - noch voll im Pfarrleben stehend - erklärt uns daß der holde Monat Maggio so segensreich ist wie Maria selbst. Die ältere - der Rosenkranz hält sie immer noch am Leben - bedankt sich mit altersgebeugtem Buckel aber strahlenden Augen für unser Hereinschauen - grazie, grazie ! Es passiert wohl nicht oft daß jemand mit ihr redt? Das mit der Maria versteht man eh nur, wenn man in diesem besonderen Land geboren, getauft, verschult, verheiratet, beerdigt usw. wurde. Irgendwo heißt es, Italien sei das Land der Mutter. Böse Zungen halten dagegen, es sei die Schwiegermutter... |
Das ist souverän, auch wenn nicht er als erster am Gipfel steht, sondern Schorsch - wie immer diese Tage. Er vereinigt Beruf und Hobby, ist first on summit, und spuit si dort mit seinem neuen Camcorder. Da muß doch was g'scheits bei rauskommen! Tut es auch: Touren-tracking - das ist sein neuer Zusatzservice. Bald hat er eine Homepage, dann kann man die Urlaubserinnerungen von ihm runterladen. Jedenfalls ist Nebel auf der Pania; später wirds aber schön und sogar das Meer gesichtet.
Die Gemütlicheren sind auf der Hütte geblieben, wo viel fröhlicher Jugendbetrieb herrscht an diesem Tag. Unser Rückweg 128 ist wiederum sehr lauschig; er führt durch drei (ausgetrocknete) Bachgräben, ein Almkircherl, einen Hennerhof mit Biberl im Wald und schloapft zuletzt noch laang um den halben Berg herum. Otto knipst geduldig einen Goldregen und Gotthard schaut ihm bei dieser Arbeit zu - er hat ja Zeit heut, denn seinen Foto hat er im Auto in Raubling liegenlassen. Ja, da Gotthard laßt halt auch scho etwas nach! Endlich landen wir doch auf der Straße oberhalb unseres Ablaufpunktes. Da steht dann schon der Bus - von Schorsch mitn Fahrradl versetzt. Wie das geht? www.schorsch.de befragen!Zu unserm Schorsch muß man überhaupt mal sagen: wir sind schon viel mit ihm in die Berg gefahren nach Italien, Südtirol und er hat scho ganzvuui ! Extrawürscht gebraten für uns. Da ist er wirklich recht flexibel und schiebt auch mal sein Gerät auf Handbreite durchs oberste Bergdorf, des haut an Dreck aus da Kupplung. Heut abend dagneissn wir a bisserl vom Alltag eines Bustreibers: zwischen 3. Gang (Mahlzeit, nicht Bus) und Insalata Mista (den bemißt Mamma Leone ausnahmsweis nach Quadratzentimeter) bimmelt Schorschs Telefono Cellulare. Was muß er sowas auch zum Essen mitnehmen. Zur Strafe erfährt er brandfrischen Ärger von seinem Sohn, der justament in Venedig mitn Bus zur Kasse gebeten worden ist. Das gehört dazu. Aber Schorsch weiß schon wo er das Geld wieder herkriegt... Außerdem fährt die Chefin sowieso selbst und sogar Strahlhuber senior kann die Kurbelei nicht lassen (keine Red vom jüngern Buam, der ist aa scho ganz narrisch aufs Bustreiben und eh mitn Lenkradl auf d'Welt kumma...). Ein solider Familienbetrieb also, und "an guadn Preis" kann er auch schonmal machen. Soweit die Gerüchte über Schorsch, genaueres siehe www.irgendwobeiwasserburg. Aba oans mag da Schorsch ned, da werd a resolut: Hundstrümmerl im neuen Bus ! |
| Weil das Wetter immer noch schlecht werden könnt gehn wir heut auf den höchsten der Toskana, dann hätten wir die wichtigsten beinand meint Kurt. Der Montblanc der Toskana ist ein flacher Wiesenbuckl mit einem Markstein und Schafstrümmerl drauf. Wir erreichen ihn vom Wirtshaus Casone di Profecchia an der Radieserl-Straß auf dem Weg 54 durch lichten Laubwald - Markenzeichen dieser hervorragenden Wandergegend. Über eine Schafalm mit dem z.Zt. geschlossenen Rif. Cella (hier gibts noch echte Lerchen die singend aufsteigen) gehts auf den Sattel Bocca di Massa. Ein Wald von Schildern dort enthält auch den Hinweis "00" - kein Gebirgsklo, sondern der Weg zum Prado. Leicht ansteigend gehts weit hinter, baumlos durch rauhe Alpinheide, vorbei an Monte Cella und Monte Vecchio zum höchsten Geländepunkt der Toskana.
Der bisher begleitende Nebel hat sich verzogen und gibt eine hervorragende Rundsicht frei. Auch dies eine wunderschöne lohnende Wanderung - harmlos, einsam und fast hochgebirgsartig.Bei der Heimfahrt besichtigen wir noch das nahgelegene Castiglione, eine mittelalterliche Festung mit vollständiger äußerst massiver Stadtmauer und gewaltigen Wehrtürmen. Dirrigl Ingrid hat es dankenswerter Weise übernommen, uns auf diesen interessanten Besichtigungen zu instruieren. So erfahren wir, daß diese Festung zwar schon mal vergeblich belagert wurde, letztendlich aber wars doch umsonst. Aufgrund höherer politischer Mächte wurde dieses ehemalige Hauptstädtchen der Garfagnana schlußendlich seinem Erzfeind einverleibt - den Este in Modena. Das kann uns heut wurscht sein; wir bummeln über sehr dicke Mauern und Türme, durch die engen Gäßchen und erhalten zusammen mit zwei britischen Maiden Einlaß in die alte Hauptkirche San Michele. Die ist, wie so oft, "barockisiert", enthält aber noch ein bemerkenswertes spätgotisches Madonnenbild. Maria mit Kind an der Brust blickt völlig vergeistigt, und wir zurück in eine radikal andere Welt. Da war man auch fröhlich und traurig, hatte aber Zeit und keinen Telefonstreß. |
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Diese Wanderung kann sanft (bis zur Einsiedelei) oder auch großzügig und alpin gestaltet werden. Sanfte und Wilde gehen erst miteinand zum Einsiedel. Die Sanften genießen interessante Einblicke ins Eremitenleben - insbesondere die höhlenartige Kapelle, ganz schlicht eingerichtet, Babykleidung hängt irgenwo an der Wand. Diesem Kinde konnte vom Einsiedler geholfen werden! Ernie entzündet gleich ein Kerzerl für einen großen Wunsch - hoffentlich geht auch dieser in Erfüllung. Dann restaurieren sich die Einsiedler-Fans auf der Almbar "Buca dei Gracchi" in Campocatino. Die wilden Kulturflegel dagegen rennen am Einsiedel vorbei, hinter zu einem verlassenen Marmorbruch und erreichen dort den berühmten Via Vandelli, der zum Passo della Tambura gleich unterm Monte Tambura führt. Der Herzog von Modena ließ diesen Kutschenweg im 18. Jahrhundert von einem Abt anlegen, wohl aus Größenwahn. Irgendwem wollt er halt imponieren. Der geistliche Herr hat die Trasse in der Tat hervorragend ins felsige Kar gelegt und die jahrelangen, sehr mühsamen und teuren Arbeiten bestens geleitet. Der Weg wurde ja fertig, wie wir bei unserem lauschigen Anstieg - begleitet vom vielfältigen Geräuschpegel eines nahen riesigen Marmorbruchs - feststellen konnten.
Woran der theologisch geschulte Hobby-Ingenieur nicht dachte, war, die Befahrbarkeit seines Meisterwerks auszuprobieren. So stellte sich - wahrscheinlich erst bei der Einweihung - heraus, daß die herzogliche Kutsche nicht ums Verreckn um die scharfen Ecken herumzubringen war. Es wird berichtet, der gottesgnädige Herrscher habe seinen Baumeister dermaßen zammputzt, daß dieser nicht mehr leben wollte und dies auch wahrgemacht hat. Ja, das sind G'schichtn. Wir Wendigen jedoch kommen leicht ums Eck, erreichen zügig den seinerzeit heißbegehrten Passo und gewinnen von dort aus über Marmorgeschröf und Schusternagerl bald den runden Gipfelgupf. Oben hats gleichzeitig Nebel vom Meer her und schöne Aussicht ins Landesinnere samt einem detaillierten Einblick in die apuanische Kette bis hinüber zum höchsten, dem steilen Monte Pisanino. Wir werden nun von einem anderen Marmorbruch beschallt - die Dieselaggregate der Schneidseile laufen rund um die Uhr, irgendwo piepts immer und schwere Sattelschlepper kriechen mit dröhnender Motorbremse zu Tal, aufgebuckelt mit bald hausgroßen, strahlend weißen Marmorblöcken. Der weiße Marmor soll woanders schon billiger sein, der von Carrara aber bietet für Bildhauer unübertroffene Reinheit.
Abends erzählt Ernie, mit bürgerlichem Namen Ernst Kögler, Unterhaltsames zum Lachen. So Sachen halt auf die wir älteren Semester geeicht sind. In gemessenem, aber lebendigen Tonfall trägt er seine G'schichtln vor und begleitet sie mit harmonischen Handbewegungen. Man kann sie hier nicht alle wiedergeben, jedenfalls fangen sie ganz harmlos an, in der Schul zum Beispiel bei den unschuldigen Kindlein. Die dürfen vorzeitig heim wenn sie einen Satz mit einem zusammengesetzten Wort hersagen. D'Resi sagt: "Bei uns dahoam gibts Erdäpflsalat." Die Lehrerin: Das ist aber SchöönSchöönSchöön, du darfst heim! S'Marerl meint: "Mei Mama hat im Garten Sonnenblumen." SchöönSchöönSchöön, geh auch heim! Da steht da kloa Maxl auf, geht schon mitn Schulranzen zur Tür und sagt: "Mei kloane Schwester is sechs". "Das ist aber kein zusammengesetztes Wort!" "Aber SchöönSchöönSchöön" meint der Maxl. Soweit Ernie, das Erzähltalent. Am besten lass' man selbst erzähln! Übrigens, zaubern kann er auch. Aber echt. |
| Diese Fahrt wird ein Test für Schorsch. Den Serchio talauswärts - die hochgewölbte steinerne Ponte di Diavolo spiegelt sich im Fluß - müssen wir die Hauptstraße westwärts durch eine kleine Ortschaft Richtung Grotte verlassen. Dort überquert ein spitzbogiges Viadukt Bach und Straße. Noch kein Problem für Ochsenkarren - jedoch für unseren modernen Bus. Schorsch schiebt die Dachkanten desselben gaaanz langsam und handbreit vorbei. Ein Hoch auf ihn daß ers riskiert hat, schließlich ist sein Gerät an die halbe Mio alte DMchen wert! Der Weiterweg ist noch ein Zusatztraining für ihn, wenn auch nicht mehr so problematisch.
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Samstag, 17.5. - La Ripa, Fiume Rimonio
| Unsere letzte Wanderung gerät mit milden 500 hm zu einer lustvollen Landschaftsrunde vom Freßlokal "La Greppia" und zurück. Zunächst gehen wir leicht ansteigend auf den Buckel "La Ripa". Der besteht aus Wiesen mit Knabenkraut und Narzissen, sogar ein Maikäfer aufm Pfaderl wird ca. 40mal überwandert und überlebt das.
Die Blumen laden unsere Fotografen zu bemerkenswerten Verrenkungen ein; bäuchlings, rücklings, seitlings, froschmaßig, im Kotau und Yoga versuchen Otto, Margit, Micha, Martha, Herma die botanischen Schönheiten aus der besten Perspektive zu erfassen. Schließlich müssen die apuanischen Berge und das tief unten liegende Dorf Nulla di Sotto auch noch aufs Bild. Nach dieser Zwangspause gehts zügig hinab dem Tal des Fiume entgegen. Dazwischen liegt noch eine lange steile Bergwiese mit eingestreutem Wacholder und - wilden Pfingstrosen, büschelweis ! SchöönSchöönSchöön... Unweigerlich gibts noch einen Fotorausch - Canon, Minolta und AldiKlix zeigen was sie können.Nach einigem hin und her (es ziagt si halt immer so ausanand...) erreichen wir die Talsohle unseres heimführenden Gegenanstiegs. Der z.Zt. zahme Wildbach windet sich durch eine urige kleine Schlucht im lichten Laubwald. Ein Taferl warnt gleich dreisprachig vor Flutwellen, z.B. "...infolge der autorisierten Personen des Staudammschützen... kann es dazu kommen". Die erste Bachüberschreitung gelingt ohne Ausfälle, denn Ingrid kann im letzten Moment davon abgehalten werden, dem Wierl Wast über einen schwankenden Ast übern Bach zu folgen. Ganz schön mutig von Ingrid. Wir müssen nun noch 15 mal über diesen Fiume - verbunden mit der schwierigen Entscheidung: ist es besser mit oder ohne Schuh? Dabei platscht es schon einige Male, denn die Kiesel sind feucht. Fini macht die heftigste Bekanntschaft mit dem "Busen der Natur" - sie kriegt vom Bachstein sozusagen a Watschn. Zuletzt treffen wir uns doch wieder alle nach dieser netten Berg- und Talwanderung beim italienischen Familienwochenende im La Greppia auf Cappucino und Eis. |
| Ja, heut heißt es Abschied nehmen von Signora die uns so wunderbar bekocht und versorgt hat. Sie hört garnicht mehr auf mit "graazie" , umarmt jeden und sagt, wir seien so "gentile" gewesen. Naja, immerhin haben wir die bekifften Neureichensöhnchen vom Vorabend nicht selbst rausgeschmissen. Ja, genau die zwei wo da so laut "gesungen" haben. Aber hierzulande klingt ja selbst Gegröle noch kultiviert, mit Stil sozusagen. Ja, wir waren gentile, jetzt sind wir pleite. Für einen kurzen Lucca-Trip reichts aber schon noch. Unser Schlachtplan für die Eroberung der unnahbaren Handelsstadt steht fest: Mit Mannschafts-transportwagen zum Aufmarschplatz beim Stadion, von dort im getarnten Gänsemarsch zur Bastion San Donato, geordnetes Durchdringen des Stadttores unter den Zähnen des gehobenen Fallgitters, Überwanderung der gigantischen Festungsmauer in Achterreihen und heimliches Einnisten in den zentralen Kultureinrichtungen des Feindes. Kurt sorgt dafür, daß es auch so abläuft. Mit den verbundenen Waffen UMTS-Handy und GPS-trailer kämpfend, steht er an strategisch wichtigen Ecken im Luccheser Gassengewirr wie der Fels in der Brandung und dirigiert uns souverän von einer Chiesa in die andere (zuhaus hat er mit einem Sack voll Flöh geübt). Zusätzlich diszipliniert werden wir von dem gewaltigen Info-Strom, den unsere Kultur-Ingrid unermüdlich aus dem Baedeker vorträgt. Daß der Dom des Erzbischofs eine unsymmetrische Fassade hat (Murks am Bau), daß die Kleinreliefs von Niccolo Dilettanto d. Jüngeren deutlich erkennbar unter der Giebelbalustrade entlanglaufen (ja wo laufen sie denn...), daß die Geschlechtertürme nicht als Taubenschlag oder Dachgarten dienen sondern den Papst in Rom ärgern sollen weil sie höher sind als der Campanile des Doms - das alles verlangt uns höchste Konzentration ab und verhindert daß wir auf dumme Gedanken kommen. Etwa den brandgeilen Antiquitätenmarkt nah hiebei etwas zu erleichtern. Da kann man sich um harte Euro wenigstens falsche Mahagonitischerl kaufen, während im Dom darf man nur opfern und muß alles drin stehn lassen. Ingrid hält uns von solchen Versuchungen Out of Rosenheim ab und so passieren wir brav die eiförmige Piazza Anfiteatro, ignorieren Maria und Lydia - eislutschend - im dortgelegenen Cafe, besichtigen die Basilika San Frediano und die Bürgerkirche San Michele mit ihrem liebevoll detaillierten Säulengiebel. Gleich hiebei steht da auch ein richtiges Denkmal: Francesco Burlamacchi, Patrizier und Handelsmann, blickt entschlossen, ernst und sparsam während er einen Schritt mit dem rechten Fuß voranschreitet, links eine wichtige Dokumentenrolle tragend. So sieht's die immer noch blütenweiße Marmorstatue auf der Piazza. Dieser Mann wußte, wie man aus Seide Geld macht - wirklich viel Geld. Der ehemalige römische Siegeswille scheint hier neu zu erstehen im modernen Kaufmannsadel der Renaissance - siegen und sei es mit Geld. Vielleicht hat sich der berühmte Patrizier um die Finanzierung der übergigantischen Stadtmauer verdient gemacht? Vielleicht aber haben die Luccheser das Geld nur beim Erzfeind, den konkurrierenden Pisanern, geliehen und diese dabei ausgschmiert. Sollen sie uns doch angreifen die aus Pisa, jetzt wo wir die tolle Mauer haben! Genaues weiß man da nicht; aber es mögen so manche Spassettln gelaufen sein in der Zeit der eifersüchtig konkurrierenden Renaissancestädte in der Toskana. Das alles hält Kurt nicht ab, uns emsig einzusammeln und zu dem rettenden Strahlhuber-Mobil zu lotsen. Unser zweistündiger Besuch konnte das Thema "Lucca" nur ankratzen, trotzdem eindrucksvoll. Da niemand von der Stadt verschluckt wurde, haben wir wiedermal Glück gehabt und bewegen uns wie geschmiert am brummifreien Sonntag heimwärts. Unser Auto samt Fotoapparat steht immer noch unter den Kastanien in Raubling und fährt uns heim nach Kolbermoor. Ein großes Dankeschön nochmals an Kurt und Schorsch!Kurt hat übrigens gesagt, er könnt sich schon wieder mal was einfallen lassen ... |