Sektion Rosenheim

DAV

des Deutschen Alpenvereins e. V.
   

Ski-Durchquerung der Silvretta, 3. - 7. März 2003
 

Tourenbegeleiter: Christian Maas
Teilnehmer: Stefan Hintermeier, Christian Maas, Martin Rapolder, Michaela Stark, Jürgen Heinrich , Uwe Voigt, Gotthard Weiser, Ludwig Wieland.
Text: Gotthard Weiser
Bilder: Gotthard Weiser

Bei idealem Wetter konnte die Traum-Durchquerung vollständig zu Ende geführt werden. Erreicht wurden Heidelberger Hütte, Gratschulter des Piz Tasna, ?-Scharte, Jamtalhütte, Hintere Jamspitze, Tiroler Scharte, Wiesbadener Hütte, Buin-Scharte, Ochsenscharte.


Anfahrt und Übergang zur Heidelberger Hütte, 3.3.

Die Mannschaft

Per Eisenbahn, Bus, ab Ischgl Kabinenbahn, mehrere Sessel-Lifte, Abfahrt, Gegenanstieg, wieder Abfahrt erreichen wir am frühen Abend unser schöngelegenes und von netten Wirtsleuten gut geführtes Übernachtungsziel. Die junge Chefin ist eine sehr schlanke, sehr fleißige und lustige Tirolerin mit zwei eigenen Schrazn nebenbei. Das ältere wird jeden Tag in nur 20 Minuten mit der Schneekatz ins Dorf hinab zur Schule gefahren - an diesen Spaß kann man sich schon gewöhnen!

Übergang zur Jamtalhütte, 4.3.

Zum Piz Tasna (Verzicht wegen Gipfelsturm, Windharsch und keine Eisen dabei). Von dort Querung - mit sehr schönem Blick von Piz Buin bis Linard - und Anstieg zur windigen ?Scharte. Gute Abfahrt zur Jamtalhütte. Diese ist nach dem Lawinenschlag riesig wie ein Bahnhof geworden. Das muß sich rechnen. Die Preise sind in Teuro, die halbpensionierten Fleischtrümmerl werden abgezählt und es gibt keinen Nachschlag und keine Gnade. Aber einen Kaiserschmarrn, den sich viele zu zweit nachbestellen. Sind wieder ein paar Teuro. Es ist ein Jammertal hier droben, und so heißt fortan dieser Teuroschuppen bei uns, ganz privat, Jammertal-Hütte.
Abmarsch zum Piz Tasna

Übergang zur Wiesbadener Hütte, 5.3.

Morgensonne über dem Jamtal
Wir verlassen baldmöglichst den vollmaschinisierten Teuro-Stadl, müssen aber noch das ganze Jammertal im Aufstieg hinter uns bringen um die Wiesbadener zu gewinnen. Dies gelingt nur über die Hintere Jamspitze mit Traumfirn-Abfahrt und Gletscherbrotzeit. Hier entfaltet sich Individualität - welche machens im Liegen wie die alten Römer, andere im Sitzen, beissen auf ihrem Aldi-Gummi herum und lassen ihre Weihnachtsmütze bommeln.

 

Auf dem Gipfel der Jamspitze
Pulverspaß für Micha

 

 

Christian hat hierzu keine Zeit, fummelt an seinem Smart-Handy und verzehrt Daten-Müll - sein Schicksal. Nach dem Relax droht ein steiler Gegenanstieg zur Tiroler Scharte; dann gibts noch eine lustige Abfahrt zur renovierten, aber trotzdem nach wie vor gemütlichen Wiesbadener. Hier hab ich mal im Winter in aller Herrgottsfrüh vor der Hüttn ein Schneehuhn beobachtet. Furchtlos und hungrig knabberte es ein paar winzige dürre Samen von wenigen Grashalmen, die aus dem Schnee schauten. Anspruchslosigkeit und Effizienz dieser Überlebenskünstler sind geradezu unheimlich. Zwecks Energie-Ersparnis geht das Schneehuhn mitnichten wie ein Huhn - es schloapft wie ein Schlitten über den Schnee.
Der Talschluss des Jamtals  
Die Wiesbadener hat einen alterprobten Wirt, der heuer aufhört und eine neue, junge fesche, sehr nette Wirtin "in spe" mit Leopardenfell, deren Allerliebster - also der künftige Wirt - zufällig Bergführer ist. Das paßt, und Annermierl? tut schon mal probekassiern jetzt, weniger teuro als im Jammertal. Dieses ist übrigens bei den anderen Hütten für den Trick mitn Kaiserschmarrn bekannt und unbeliebt - die anderen Wirte fürchten, die Jammertaler könnten überhaupts die Gäscht aus dem ganzen Gebiet herausekeln. Mal abwarten. Der Abend wird recht griabi und feuchtfröhlich und Annemierl? dokumentiert uns fotografisch

Aufstieg zur Buin-Scharte (Versuch Piz Buin), 6.3.

Seracs am Buingletscher

 

Christian navigiert multimedial
Das Wetter ist bedeckt heut und wir marschieren in zwei Seilschaften. Beim Erreichen des Gletschers reißts etwas auf und eine faszinierende Eislandschaft mit glasklaren Seracs türmt sich über uns auf. An der Buinscharte macht sich der Föhnschirm zu. Christian befragt GPS und Handy, linst kritisch hinauf zum Gipfel. Mit großer Mannschaft und eventuell Fixseil da jetzt noch rauf und runter? Lieber bläst er zum sicheren Rückzug, wir sind leider etwas spät dran.

 

Feuchtfröhlich auf der Wiesbadener
Trotzdem begießen wir's auf der Hüttn und verpassen Christian ein funkelnagelneues T-shirt. Es ist nachtschwarz - damit kann er endlich mal in die Oper gehen ! Es freut ihn sichtlich, wird gleich probiert und schlupft reibungslos über die körpereigenen Energievorräte. Damit ist auch dieser Tag gelaufen.

 

Über Ochsenscharte durchs Jamtal nach Galtür, Heimfahrt 7.3.

 
Leider müssen wir die gastliche Wiesbadener verlassen. Wir können nicht ewig T-shirts ausprobieren, Waschmaschin und drängende Termine warten zuhause. Bei nun wieder klarstem Wetter wechseln wir über die Ochsenscharte, unter der Jamtalspitze vorbei, hinunter ins Jamtal. Dabei schenkt uns Rappl die lustige Schau, wie man einen steilen Pappschneehang hinabhatscht und dabei nicht vorwärtskommt. Er ringt mit riesige Bremsklötz an seine Ski, eine kämpferische Leistung! Christian beendet diese Gefangenschaft durch seine Spezialklinge Marke "Eistod", womit er den tückischen Eisbelag von den Laufsohlen entfernt - Rappl ist frei. Des kost a Maß! Später gleiten wir - durschtig aber gnadenlos - am Teuro-Jammertal vorbei und schieben den Rest ziemlich flott hinaus nach Galtür. Mit Bus und Bahn gehts wieder fließend heim. Besser hätten wir's kaum erwischen können - Vielen Dank an Christian, Internet & Co!