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Silvretta Genuss 13.-17. März 2005 |
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Sonntag, 13.2. - Anfahrt
und Aufstieg zur Heidelberger Hütte
(2250 m).
Das Wetter: wenn nichts dasteht, dann strahlende Sonne, kalt, es windelt oder auch nicht. Genuß - was erwartet man anderes von diesem klassischen Skitourengebiet? Trotzdem muß man Glück mit dem Wetter und den Schneeverhältnissen haben. Wir rauschen mit drei Autos nach Ischgl und haben's! Noch dazu hat Frank, unser Überflieger, kostenloses Parken beim Pra Monte organisiert. Die Genußtage beginnen mit mehrfachen Liftaufstiegen und Pistenabfahrten im Wechsel. Die leichtsinnige Pistl-Jugend fegt rasant und haltlos an uns schwerfälligen Rucksacklern vorbei. Gut, daß wir da einige Kilo Aufprallschutz drin haben. Steigeisen wären noch besser, liegen aber heute daheim. Zuletzt hatschen wir länglich, aber bequem auf der Radtrak-Trasse hinauf zur Heidelberger. Deren Wirt sorgt mit seiner Schneekatz für die heimelige Duftmarke; schließlich wollen die Gäste im Viererpack per Skijöring im Sturmtempo, an uns vorbei, hinaufgeschleppt werden! Schwerbepackt landen wir in unserer Tourenheimat. Geh- und Laufpensum: 3h, 1000 Hm Abfahrt, 300 Hm Aufstieg. Die Lawinenwarnung ist von 4 auf 3 gesunken. Das allein ist schon ein Grund zum abendlichen Feiern; außerdem kommt an den Tag, daß Ingrid gestern Geburtstag hatte. Das steigert unser Halloo um einige Dezibel; Franzosen, Japaner, Briten etc. haben nun gegen unser G'schroa nichts mehr zu vermelden. Nur die Schwyzer nebenan halten noch dagegen, schließlich lärmen wir auf ihrem Heimatboden. Andere organisieren so einen Abend mit der Mannschaft. Josef "Sepp" dagegen lässt es organisieren, sich selbst einfach. Bei seinen Touren sieht das vielleicht auch so aus, es ist aber schon gut überlegt. Sepp haut zwar schon mal aufs Blech, aber er macht nie einen Blödsinn. Kern des Unternehmens ist eine gut eingelaufene Damenriege, wie heut. Die zischen ab, auch wenn dem Sepp die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Das mag er gern, wegen der Kilo. Da unsere Damen sich selbst höchst angeregt unterhalten, können wir nicht-emanzipierten Mannder uns akustisch nur schwer behaupten. Liane sagt: "Ich bin emanzipiert, solange es was bringt". Die Schwyzer nebenan denken: was brüllen die dytsche Löli schon wieder so ? Also, Liane schoss grad den Vogel ab. Ich probier's mit der Emanzipation der Männer und biete Karin, die sich grad am überschweren Kachelofen aufheizt, an, ihre Füß auf meine Beine zu legen statt auf den Stuhl, auf den ich mich grad hingesetzt habe. Conny mosert sofort: "Kaum ist er weg von daheim schon tut er anbandln, na sowas". Ich rück das gleich zurecht: "Schließlich kann man nicht unkameradschaftlich sein". Da kann niemand was dagegen sagen - auch Karin nicht. Gelächter, die Schwyzer denken wieder Löli. So geht das den ganzen Abend; die Reizthemen sind gefunden, "Rappl" Martin lässt eine Runde Feilenfett (Schnaps) kreisen, Hüttenruhe ist streng um zehn und die Zeit zu kurz. Macht nichts, im Lager geht die Gaudi bei unseren Mädels weiter. Gutes Lager und gutes Futter für EU 34, geht schon. Bei uns
drin im "Leiterzimmer" nächtigen die profimäßigen
Nothelfer Frank und Kerstin, Rappl der auf wirklich alles einen
heiteren Spruch hat sowie Ingrid mit ihrem Schutzengel um den Kragen.
Da kann also dreimal nichts schiefgehen, es sei denn, Ingrid verlöre
ihren Engel. Die Lagerkameradschaft entwickelt sich wie in der
Brettschloapfn: Schweres Gatter, spontane Kettensäge und Höhlenbär's
Turbogurgler harmonieren zur "Kleinen Nachtmusik", Komponist Anonymus.
Morgen ist auch noch ein Tag. |
15.2. - Tour zum Piz Tasna
(3179 m). ![]() Aufstieg über Forcula Tasna und den kleinen Gletscher Vadret da Tasna. Skidepot auf 3000 m. Zu Fuß auf die Schulter des Piz Tasna ca. 70 Hm unterm Gipfel auf 3100 m. Ca. 15 min. Pause und Rundsicht; kalt und sehr windig. Rückweg über den Piz Davo Dieu (2880 m) mit Gegenanstieg ca. 100 Hm. Große Pause (ca. 1h) in der Senke unter dem Moränenrücken "Uf den Chöpf".Nochmaliger Aufstieg Richtung Zahnjoch ca. 300 Hm wegen der Pulverhänge mit lustiger Abfahrt. Pensum: 8h, 1300 Hm Anstieg, Lawinen 3. |
![]() Es bürgert sich ein, die Einzelabfahrenden in der Endphase mit lautem "Hopphopp" anzufeuern und in unserer Spießrutengasse in Empfang zu nehmen. Was werden wohl wieder die Schwyzer denken? Garnichts, es sind keine da. Nur Skiolsch, der Rätische Gebirgsgott, hat seine Freud an unserem Spaß. Zu unserer Belustigung läßt er mit knallendem Wumm-Geräusch etliche Lawinenrutscher von den benachbarten Steilhängen abfahren. |
Dort aber kriechen wir dank Sepps Voraussicht
nicht herum. Auch Sepp will noch länger leben, damit kann
man rechnen. Er befragt eben seine Karte nach der Hangsteilheit
und in der Früh, vor dem Abmarsch, den Lawinenlagebericht
im Internet aus dem Hütten-Laptop.
Dieser steht im Geschäftszentrum der Heidelberger, auf einem alten Schreibtisch in einer ehemaligen Besenkammer. Darunter liegt bredlbroad im Vollschlaf die fette, wollige Huskie-Hündin, Stammmutter von Generationen weiterer Hüttenhunde des Gebiets. Mehr hat hier drin nicht Platz; also liegt der zweite Hütten-Huskie in der Tür und bewacht die Stammmutter, ebenfalls im Vollschlaf. Es ist ein Idyll und spiegelt die Souveränität der Geschäftsprozesse in diesem Haus. ![]() |
16.2. - Tour zum Piz
Larein (3009 m).
Mussten wir uns am Piz Tasna mangels Pickel (geplant!) den Gipfel noch von unten anschauen, so kommt heute der Vollgenuß. Aufstieg zum Lareinfernerjoch (2850 m); dann lange Pulver-Abfahrt ins Lareintal über den Lareinferner (guter bis Superschnee) bis auf ca. 2400 m. Hier kann eine Gletscherbrücke mit ihrem eisblauen Maul bewundert werden. Umkehrpunkt. Aufstieg wieder zum Lareinfernerjoch und Abfahrt in die Senke unter dem Piz Larein (große Pause 3/4 Stunde). Aufstieg zum Gipfel ca. 250 Hm über die SO-Flanke. Mit Ski bis zum Gipfel (kleine Pause). Abfahrt über die SO-Flanke und den Aufstiegsweg direkt zurück zur Heidelberger Hütte. ![]() Kompliment: was Sepp da ausbaldowert hat ist ein echter Geheimtip für Genießer. Darf man eigentlich garnicht laut sagen. Aber Skifahren muß man schon etwas können den steilen Larein-Gipfel hinab. Hier, durch den grob zerpflügten Deckelpulver, wedelt unsere mitgeführte Skilehrerin Christine talwärts daß es nur so staubt. Als wär's nix, dieser Haxnbrecher. Überhaupt, wo Christine mitfährt, da staubt's. Aus Ampfing ist sie ausgewandert nach Rosenheim - eine gute alpine Neuerwerbung. Ein Leckerbissen bei der Larein-Abfahrt ist das "Loch" - eine platte Schüssel nach einem pulvrigen Steilhang. Drunter steckt ein verborgener kleiner See. Jeder meint, er könne da wie unsere Christine einekracha. Aber, was dem Jupiter erlaubt, ist es dem Frank noch lange nicht. Ihn schraubts in die Schüssel rein wie einen Stopselzieher, der Schnee dort ist plötzlich Sumpf. Kerstin eilt heran und befreit ihn - noch ohne Fluggerät. Sie strebt ja auch an, wie Frank per Hubi am Fixseil heranzuschweben und endlich wieder mal g'scheite Kranke zu haben. Nämlich solche die an Doktor wirklich brauchen. Sie ist aber noch nicht soweit und wird als OP-Schwester noch eine Zeit lang Tupfer zählen müssen. Außerdem muß ich sagen: wenn ich mal bisserl hintnach schlappe beim flotten Fünfhunderter-Schlag, steht Sepp dann oben, fragt ob ich mich gut fühle. Er hat wohl etwas Seniorenmedizin gelernt bei seiner Ausbildung. Jedenfalls, mein operiertes Knie benimmt sich Klasse. Wird auch von unserem Damenkranzerl anerkannt. Beim abendlichen Ratsch spendiert Gotthard endlich seinen Roten, Zeit werd's. Das kommt ihn ganz schön teuro, selber schuld. Pensum: 6,5h, 1200 Hm Anstieg, Lawinen 3. Am Gipfel relativ warm. ![]() |
Donnerstag, 17.2. - Tour
zum Piz Val Gronda (2812 m), Heimfahrt.
Dieser Morgen beginnt mit einer Katastrophe: nicht der Löw ist los aber Ingrids Schutzengel ist weg! Wer soll heute auf uns aufpassen? Gerade ein Schutzengel kann doch unmöglich einfach verschwinden. Noch dazu, wenn er filigran auf einen Bergkristall geschliffen ist, wie Ingrid behauptet. "Rappl, hast du net heit nacht nüber..." "Naa, von wegen" wehrt der heftig ab. So einfach ist das nicht, und wo ist eigentlich Ingrids Halsbandl? Auch weg, na sowas, war hier ein Kunsträuber zugange heut nacht? Wo und wann wurde der Engel zuletzt gesichtet? Nirgends natürlich, die sind ja unsichtbar, weiß doch jeder. Vielleicht doch in den Schuh hineingefallen? Im Bett? In der Dusche? Gut fliegen muß man können, wenn man so einen Engel einfangen möchte. Das kann Ingrid aber nicht; so ist sie untröstlich. Zu unser aller Beruhigung: kurz vor dem Abmarsch zeigt sich der
gute Geist friedlich zwischen Matratze und Decke eingeklemmt. Er
wollte halt nur a bisserl schlafen - ein Engel ist eben auch nur
ein Mensch. Immer soll er aufpassen während sein Schützling
genüßlich schläft - das hält doch kein Engel
aus. In frommer Haltung und mit hoch aufgestellten Flügeln
steht er tatsächlich eingeschliffen auf Ingrids Bergkristall,
sieht gut aus. Ob Ingrid meinen Vorschlag aufgreift, statt der
Plastikschnur ein Goldketterl anzuschaffen, da einen Knopf hinein,
der geht dann nimmer auf? |