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| Nach flüssiger Schönwetterfahrt mit "Lucky"s Pilotauto und Michi's Rudolf-Turbodiesel-Landschaftskutsche zur Rendl-Bahn bei St. Anton (P) schlapfen wir grad recht zur Mittagshitze Richtung "Darmstädter" hinauf. Der Bergsommer ist noch frischgrün und nach der Roßbachalm (Nachtanken) öffnet sich die Landschaft. Die hohen blinkenden Schneefelder von Saumspitze und Nachbarn (Skitouren?) entsenden hüpfende Bächlein, die wie Silberfäden im Trog des riesigen Gletschertals liegen. Der Wildbach - begehrtes Objekt der Tauernwerke - tobt weißschäumend durch einige tiefeingeschnitten Tobel. Hier etwa soll die große Mauer stehen, Baubeginn nächstes Jahr wie wir von den Almerern hören! Wir haben also Glück gehabt mit dem Zeitpunkt und genießen um so mehr den Anblick von Talboden (Hochmoor wie weiland im Zillergründl) und steilen Alpinheide-Matten samt seltenem Arnika. Gern würd ich einen Sack voll klarem Licht, Luft und Wolken mit heimnehmen für alle, die das brauchen können. Mankerlpfiffe schrecken uns aus der Landschaftsbeschau; ein uriger Alter, komplett zahnlos und zäh wie ein Lederschuh samt fettem Ur-Enkel beobachten die Viecherl. Und plötzlich steht da schon unser Tagesziel, klein aber fein im Schindelkleid; das Stadtwappen der Sponsoren (Lilie samt Löw) ist eine Verheißung auf a frisches Weiß! | ![]() |
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Das schmucke Gebirgsdomizil der fürstlichen Hessenstadt wird flott betrieben von Familie Weiskopf. Das sind Albert der Chef (zuständig für die Biertemperatur), die Chefin mit dem goldenen Kochlöffel (so schmecken wenigstens ihre Gerichte), Junior Andi (managt die Blitzbedienung) und dessen Freundin. Diese stammt aus dem Eisernen Adelshause Puch, hat das Attribut 6x6 (was soll man sich darunter vorstellen?), in der Tat Sechs angetriebene Haxn, schleppt jeden Tag so ein, zweimal die Rucksäck aller Kursteilnehmer durch das lange Tal rauf oder runter, nennt sich Pinzgauerin und Andi hat sie immer noch nicht geheiratet. Im Gegenteil - da das Leben hart ist im Gebirg, wird sie nicht verwöhnt und bleibt nachts grundsätzlich draußen. Das hielte ja kein Pferd aus und so ist die Pinzgauerin, gottseidank, lediglich das patente Dieselroß der Familie - gut für Bier, Makkaroni und müde Darmstädter. |
Auch herrscht Ordnung in der Hessenhütte. Die wenigen Raucher müssen draußen süchtln - obwohl ein bedeutender Darmstädter, in Öl porträtiert, sittenstreng und mit Rauchpfeife in der Hand von der Leinwand blickt. So will es der Alpenverein heute, meint Andi zur Verteidigung. Der Junior hat schon Herz für seine Gäste. Ist das Glasl leer so beteuert er umgehend: ich mach mir Sorgen um dich! Er ist geborener Wirt und begnadeter Skifahrer heißt es.
Die Ordnung verlangt weiters das Abstreifen der Bergschuh vor dem Betreten der geheiligten Obergemächer. Letztere sind blitzsauber und neu ausgebaut, Schnellkippfenster (wenn der Hagel kommt), und frische Decken. Bevor man hierher darf, besucht man also die "Alte Kaserei". Auch sie ist mustergültig geordnet, mit Holzhakl für alle Schuhgrößn, Bänk, Pantoffel und einem heißen Gerät auf dem steht: "Auch hier heizen die Tauernwerke für Sie!". Das merken die Bergschuh, blühn dankbar auf und geben ihr bestes. Nach hessischer Tradition ist die "Alte Kaserei" auf Limburger eingestellt (so findet man die Hüttn auch im dichten Nebel). Wer an dieser Duftwolke vorbei kommt, hat einen göttlichen Schlaf unterm Hüttendach verdient.
Vor dem Nachtmahlen gibt's noch kleine Seilkunde mit Lucky. Er demonstriert und wir praktizieren den sogenannten Degengriff - keine Selbstverteidigung, sondern eine Art Spaziergriff am Fixseil. Man könnt den ja brauchen morgen an der Saumspitz, zum Beispiel wenns hageln tät... Lucky zeigt uns noch wie man an steilen Granitplatten elegant hinauf- und froschmaßig hinabspaziert - letzteres nach Rebuffat (der ein Kettenraucher war). Die Übung wird beendet durch das pünktliche 18-Uhr-Gewitter - es hagelt.
Während wir hungrig auf die Halbpension warten, können wir einer planetarischen Familie neuen Typs am Nebentisch zuschauen. Papa Euro-Typ; Mama schwarz-indopakistanisch strahlt freundlich jeden an der höflich zu ihr ist; alle drei Kinder auch dunkel. Man spielt Uno (das Kartenspiel!) und Bubi sagt zu seinem Schwesterl in gestochenem Deutsch "Ich wünsch mir von dir eine - (kohlschwarzes Augenrollen) - Drei!". Im Urzustand sind die Menschen einander unheimlich gleich - menschlich eben. Jetzt aber saust Andi mit dem Essen ran - Braterl mit Knödl und pikanter Soß. Wenns schmeckt soll mans immer der Köchin sagen, und es schmeckt! Später erzählt uns Lucky von seinen highlights während der Grundausbildung hier vor genau einem Jahr. Es lag damals sehr viel Neu(!)schnee - gut für stressige Entscheidungen - und er musste eine Tour führen mit einer roten Schlinge am strategisch wichtigen Punkt. Lucky hat die unsichtbare Schlinge durch reinen Instinkt ersetzt - mit Erfolg. Steinböck brauchen schließlich auch keine rote Schlinge um zu wissen wo's lang geht. Wir können Lucky also blind vertrauen. Und überhaupt find ich's immer wieder erstaunlich, was unsere "Fachübungsleiter" so für die Gemeinschaft bringen.
Dieser Traumtag beginnt mit einer Sternen-Show früh um fünf: in der glasklaren Frühdämmerung stehen die beiden hellsten Planeten nah beinander, links Jupiter, rechts Venus als Morgenstern blendend hell. Das kann man jetzt vielleicht noch einen Monat so sehen. Frühstück gibts aber erst um sieben, also zurück ins Lager. Etwa um dreiviertel acht nudelt Lucky die Checkliste runter wie beim Flieger: hat jeder seinen ... Kopf dabei? Kein Widerspruch, also ziehn wir los. Nur Uschi geht lieber gmiatli für sich aufs Jöchl, wir sind ihr einfach zu bremsig.
| Im Bogen den Aufstiegsweg um den Talschluß herum, erreichen wir den Pfad Richtung Kieler Wetterhütte, zweigen dann bald links ab über eine Endmoräne ins Gestein auf die Westschulter des mächtigen Klotzes. Gut markiert ist's und nun geht's weiter mit Stoamandl, Stoamandl, Stoamandl...! Manchmal sind es verwirrend viele. Wir orten zwei Schneehühner im sommerlichen Tarnkleid und stöbern ein Rudel Gemsen auf (nicht Gämsen, man sagt ja auch nicht Brämsen oder?). Lucky wird nicht müde darauf hinzuweisen daß es keine Schand wär falls man das Seil braucht. Die Verhältnisse sind aber in der Tat sehr gutartig, wer sich nicht traut wird von Ferry sehr persönlich unterstützt und wir finden uns trotz zahlreicher Verhauer-Stoamandl (stammen die etwa von den zahlreichen Lehrgängen hier heroben?) recht bald auf dem geräumigen Gipfel ein. Dieser steht genau unter einer Quellwolke, die sich aber - dank Lucky's Wolkenmanagment - allmählich hebt und einen umfassenden Rundblick inclusive Silvretta freigibt. Dreiländereck, Piz Buin, sogar Piz Linard ganz ferne stehen immer noch da. Von hier aus kann man auch den Klettergrat zur benachbarten Seespitze inspizieren, der von unten so gaach ausschaut; außerdem drüben, gegenüber der Hütte, die Kuchenspitz mit "Normalweg" Ostgrat und ihrem Restferner, der immer noch einen respektablen Gletscherbruch zeigt. | ![]() |
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Der Abstieg verläuft erst wie gehabt, dann quert Lucky zur Scharte Richtung Niederelbehütte. Jetzt endlich kriegt Barbara "Respekt" vorm Berg, denn im letzten "Ausstiegsriss" sind Griffe und Tritte weiter auseinand wie's ihre Länge zuläßt. Doch Ferry hilft nach und bald hat sie Gleichgewicht und ihren Auftrieb wieder (Ferry übt wohl etwas denn er möcht demnächst seinen 7-jährigen mit hier raufnehmen). Nun stoßen wir noch auf eine Steingoaß, die abdreht und ihren Bock verständigt. Der zeigt sich in voller Hornpracht und paßt auf, daß wir keine Bleaml abrupfn. Es geht nun leicht hinab durch weichen Schnee. Gotthard kann davon nicht genug kriegen, sucht sich ein weiteres Schneefeld und sichtet dabei tatsächlich ein Wiesel, das im hellbraunen Sommerkleid, mit einer Maus im Fang, im urkomischen Galopp ins nächste Loch abzischt. Dabei wedelt das weißbraune Schwanzerl irre in der Luft herum. Wieselflink geht das alles, man muß es gesehen haben. |
Man trifft sich wieder, genießt ein Bierchen oder zwei, schaut der Bohrmannschaft am hüttennahen Klettergarten zu und begutachtet zur abendlichen Unterhaltung die frisch eingetroffene Gruppe hessischer Herren mit beträchtlichem Lebendgewicht. Sie sind vom demoralisierenden Gegenanstieg zur Hütte gezeichnet, schaun fragend um sich und keiner trägt ihnen ein Bier entgegen! Endlich wird dringend gespeist (AV-Spaghetti mit ganz vui Bergsteiger dazwischn), notfalls auch nur flüssig: am Nebentisch in der ehrwürdigen Stubn sitzt die höchst leistungsfähige Hessenblasn. Grad vorhin noch mit last power ihren Knödlfriedhof über die Treppe schleifend, schreiten die mittelalterlichen Herren jetzt zum längst fälligen Ölwechsel. Die Initialzündung - erste Runde Klaren - spendiert noch der Chef. Der Rest geht automatisch. Da man's zackig liebt wird jede Runde mit dem Gesang "BergHeilHeilHeil" beendet. Offensichtlich geht's hier total kundenfreundlich zu und so kann unser ISO-Team nur feststellen: diese bestgepflegte Hütte hat - samt Alter Kaserei - das 9000er-Zertifikat erobert! Außerdem erfahren wir noch von Barbara's drei Katzen (sie konnte nie "noi" sagen...) für deren jede sie eine eigene, hochwohlgeborene Fachkraft zur Wartung hat. Kommt sie heim, wird sie überhäuft: erst schwanzln die Katzen heran, dann stürzen ihre Kinder daher mit den neuesten Katastrophennachrichten. So läßt sich das Leben aushalten. Da weiß Barbara, alleinerziehend, wenigstens warum sie ins Gebirg geht. Albert aus Grafing dagegen hat völlig andere Probleme, mehr geistlicher Art sozusagen. Sein Musikinstrument ist die Orgel, die hat der Pfarrer und Albert muß sie also am Sonntag schlagen, wenn überhaupt! Hätt er keinen 80-jährigen Vertreter, so käm er wohl nie ins Gebirg.
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Das gestrige Abendgewitter ist wieder weg, ich hab ungewohnterweise bis halb sechs durchgeschlafen in dieser Höhe, Venus und Jupiter strahlen immer noch und los gehts zum avisierten Aussichtsklapf, dem leichtesten in der Hüttenrunde. Über blütenreiche Hochmatten, dann steilen Altschnee aufs Joch zwischen der königlichen Kuchenspitze und dem Scheibler. Hier könnte man absteigen ins endlos lange Rosannatal und sich dort entweder über ein weiteres Joch nach Galtür oder talaus zur Konstanzer Hütte begeben. Uns aber ziehts hinauf durch felsigen Schutt - es ist die Ordnung der Natur. Das merken auch die zahlreichen Bleaml die auf dieser warmen Südseite in farbenprächtigen Kleingesellschaften gedeihen. Auf einem Dreckbuckl strahlen sie besonders daher - Triumph des Lebens in der Wüste. Wir müssen uns die schöne Aussicht erst noch über ein Schneefeld erobern. Barbara kriegt erneut Respekt wie sie sagt, aber Ferry umsorgt sie unermüdlich und wir alle würden sie schon auffangen. Die Stoamandl wirken sich diesmal nicht so verwirrend aus, denn das Gelände läßt einen falschen Weg garnicht zu. |
| Der Gipfel bietet ein winziges symbolisches Kreuz aus zwei verknoteten Holzsteckerln und eine ganz große freie Aussicht über alles, von St. Anton bis Silvretta und zurück, und auch das namensgebende Verwall-Tal. Nah heroben eine schwarze und zwei leuchtend türkisgrüne Lacken, eine als Doppelauge ausgeführt. Über diese Hochfläche etwa könnte die Skitour ziehen, die es im Winter hier geben soll. Nach beschaulichem Verweilen steigen wir ab, Barbara beklagt sich über ihren Zwergwuchs was aber ihren Auftrieb noch mehr steigert. Löschen, Zahlen und Abschied auf der Hüttn, dann über den Arbeitsweg von Andi's Freundin locker hinabgschlappt, wieder vorbei am Gründl und Rauschebach. So wirds hier nie mehr aussehn, denn bald arbeiten auch hier die Tauernwerke für Sie! | ![]() |
Die Heimfahrt bietet als Abschiedszuckerl noch a kleins Tiroler Kirch-Feschtl in St. Jakob. Als Devisenbringer dürfen wir die Ortssperre passieren und schlürfen Bier mit Kuchen unterm Sonnenschirm bei fescher Blasmusi. Gleich mehrere Bands sind am Werk und man bemüht sogar die Abba's. Familienstimmung, Kids mit Lollis tollen durch die Reihen, ein puppenwinziges Madl mit schwarzem Wuschlkopf im stilechten Dirndl wird abwechselnd herumgereicht und abgeherzt. Da rückt das von Ferry auf 16h terminierte Unwetter heran; wir machen schnell eine sehr faire Abrechnung und begeben uns auf den g'schmierten Heimweg. Nur zwei sorglos schöne Tag in unserem Gebirg, und welche Vielfalt.
Ein Prost auf Lucky, mach weiter so !